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Schon seit längerem geht in den Werkshallen in Osnabrück die Angst um, daß die deutschen Arbeitsplätze bei Europas größtem Cabrio-Hersteller im Wettlauf mit billigeren Standorten verschwinden.

Seit gestern ist die Sorge mehr als zuvor berechtigt: Karmann setzt auf einen neuen Standort in Osteuropa. Der Aufsichtsrat hat sich für den Bau eines Werks in Polen entschieden, in dem Cabrioverdecke hergestellt werden sollen, teilte der Betriebsrat mit. Das Unternehmen selber wollte sich gestern nicht äußern. Karmann-Chef Bernd Lieberoth-Leden wird morgen bei einer Pressekonferenz Stellung beziehen. Karmann produziert nach eigenen Angaben in Osnabrück, Rheine, den USA, in Mexiko und in Großbritannien.

Nach Gewerkschaftsangaben sollen künftig in Polen zwei Aufträge für Cabrioverdecke abgearbeitet werden. Zwar hat die Entscheidung keinen unmittelbaren Einfluß auf die Arbeitsplätze am Stammsitz in Osnabrück, wo derzeit nach bereits bekannten Plänen 1250 Mitarbeiter vor der Entlassung stehen - , auch deshalb, weil der Verkauf des hier produzierten Crossfire schwächelt. Die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat sehen auf lange Sicht aber noch mehr Jobs im Inland in Gefahr. Die Kosten in Polen seien deutlich niedriger als in Deutschland, hatte Karmann-Sprecher Eick betont. Hierzulande rechnet die Autoindustrie mit Lohnkosten von 33 Euro pro Stunde, in Polen liegt der Satz bei fünf Euro.

Nach der Entscheidung für Polen teilte der Betriebsrat zugleich mit, man werde nur dann einem Sozialplan für die 1250 von Entlassung bedrohten Mitarbeiter zustimmen, wenn das Unternehmen eine Garantie für den Verdeckbaustandort in Osnabrück gebe.
Karmann hat in der Vergangenheit zum großen Teil davon gelebt, Nischenmodelle zu bauen - etwa für VW die legendären Käfer- oder Golf-Cabrios. Inzwischen lasten die Autohersteller ihre Werke lieber selber aus - auch mit kleineren Serien. So ist bisher etwa offen, ob Mercedes das neue CLK Cabrio wieder bei Karmann bauen läßt.

mw/ HA/ 22.6.2006 Business New/ds
 
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