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Kajak / Kanu

  

Die polnischen Gewässer bieten ein unvergleichliches Erlebnis. Über die schönsten Wasserwege, Boots- und Kajak-Verleihzentren sowie Übernachtungsmöglichkeiten informieren die PTTK unter www.pttk.pl und der Polnische Kajakverband unter

www.pzkaj.pl (englisch).

Floßfahrten

 

Die schönste Route über Gebirgsflüsse führt über den Dunajec-Fluss im Pieniny-Gebirge. Die großen Flöße werden von Goralen, den Bergbewohnern der Region, in ihrer traditionellen Kleidung gesteuert.

Die letzten Flößer vom Dunajec

Von Oliver Lück für SPIEGEL ONLINE

Der Fluss ist ihr Leben: An der Grenze zwischen Polen und der Slowakei tauchen Flößer seit Generationen ihre langen Stäbe ins Wasser. Früher transportierten sie Holz und Lebensmittel über den Dunajec, heute Touristen. Doch die Fahrgäste werden weniger.

An diesem Vormittag hängen die Wolken wie schmutzige Laken am Himmel. Sie haben dunkle Bäuche, die die bewaldeten Hügel, die Wipfel der Kiefern verschlucken. Maciej Kordeczka sitzt am Fluss und beobachtet die Oberfläche des Wassers. Dicke Regentropfen lassen kleine Krater entstehen. Er kennt den Dunajec gut, er hat hier schwimmen gelernt. "Wo auch sonst", sagt der 25-Jährige, "es gibt hier die Berge und den Fluss." Und man könne sich entscheiden: Werde ich Hirte auf den Bergwiesen, werde ich Flößer auf dem Dunajec oder verlasse ich die Heimat.

POLEN: LEBEN AM FLUSS

Maciej Kordeczka hat sich für den Fluss entschieden, wie schon sein Großvater, sein Vater und sein Onkel vor ihm. Seit Generationen sind die Kordeczkas Flößer am Dunajec, der versteckt im hintersten Winkel des Pieniny liegt, einem Gebirgsrücken im Südosten Polens.

 Ist die Sicht gut, sind von hier die schneebedeckten Gipfel der Hohen Tatra bei Zakopane zu sehen, die bis auf 2500 Meter hinauf ragen. Irgendwo da oben entspringt der Dunajec aus zwei Quellen, dem Weißen und dem Schwarzen Dunajec, die sich später vereinigen. Wie eine Nabelschnur windet sich der Fluss hinunter bis in den Pieniny-Nationalpark, wo er die natürliche Grenze zwischen Polen und der Slowakei bildet. "Ohne den Fluss wäre hier gar nichts", sagt Maciej Kordeczka, "er ist unsere Verbindung zur Außenwelt."
Nur noch zum Vergnügen

Seit Anfang des 17. Jahrhunderts wurden Holz, Lebensmittel und andere Waren den Strom hinunter geflößt und in nur zwei Wochen auf der Weichsel durch ganz Polen bis zur Ostsee bei Danzig transportiert. Die immer günstigeren Transportmöglichkeiten auf Straße und Schiene bedeuteten jedoch das Ende der Berufsflößerei. Lange schon fahren die Flöße nur noch zum Vergnügen. Eine Fahrt auf dem Dunajec gilt auf polnischer wie auf slowakischer Seite als Attraktion für täglich Hunderte Touristen.

Heute sind nur wenige Besucher am Floßableger im polnischen Katy, einem kleinen Dorf, das gerade mal acht Häuser zählt. 15 Grad, Regen - kein Tag für eine Vergnügungsfahrt. Insgesamt 500 Männer sind in der Vereinigung der Pieniny-Flößer organisiert, rund 200 warten auf Kundschaft, sitzen in kleinen Gruppen zusammen, rauchen, spielen Karten, trinken Bier. "Obwohl das verboten ist", sagt Maciej Kordeczka, "ein Bier und du fährst nicht mehr - aber an Tagen wie heute." Andere stehen einfach nur da, haben ihre Hände tief in den Hosentaschen vergraben und warten wortlos. Sie alle tragen die schwarzen, mit Muscheln dekorierten Filzhüte und die blauen, bunt mit Blumen bestickten Westen. Es ist ein kräftiges, es ist ein stolzes Blau. Es ist die Tracht der Goralen, des Bergvolkes dieser Region.

Am Büro der Flößervereinigung hat sich eine Schlange gebildet. Es ist Monatsanfang, die Männer wollen ihren Lohn. Jeder ist sein eigener Unternehmer, bekommt ein Drittel der Einnahmen jeder Fahrt, rund 35 Euro. "Durch zwei", korrigiert Maciej Kordeczka, allein könne man ein Floß nicht steuern. Er fährt gemeinsam mit seinem Vater, seit sieben Jahren nun schon. Drei Jahre ging er bei ihm in die Lehre, dann legte er die Prüfung zum Flößer ab.

Hut und Weste sind Vorschrift

Das Handwerk darf nur innerhalb der Familie weitergegeben werden. "Man muss ein Gorale sein", sagt Kordeczka, "das war immer schon so, und wir bewahren unsere Tradition. Es gibt strenge Regeln." Die Haare etwa müssten akkurat geschnitten sein, Vollbart und Sonnenbrille seien verboten, Hut und Weste bei jeder Fahrt vorgeschrieben. Knapp drei Stunden dauert es die 18 Kilometer flussabwärts von Katy nach Szczawnica. "Manchmal kürzer", sagt der Vater, Jan Kordeczka, "wie der Fluss es will." An guten Tagen fahren sie viermal. An Tagen wie heute einmal, vielleicht keinmal. "Dann gehen wir nach Hause, ohne einen Zloty in der Tasche", ruft ein Flößer mit gewaltigem Bauch. "Und du musst beim Wirt wieder anschreiben", ein anderer. Alle lachen. Und warten.

Es ist eine klar umrissene Welt: Floß bauen, warten, fahren, Floß auseinanderbauen und auf den Lkw laden, zurück zum Ablegeplatz, Floß bauen, warten - der ewige Kreislauf eines Flößerlebens. Die Zahl der Touristen gibt den Pulsschlag vor. Doch Jahr für Jahr klettern immer weniger aus den Reisebussen oben am Parkplatz. "Wir haben schon bessere Zeiten gesehen", sagt Janczy Szczepan, mit 65 Jahren der älteste Flößer. Im letzten Jahr sei er nur 90-mal den Dunajec runter, wie solle er so das Geld für das ganze Jahr verdienen? Von Anfang Mai bis Ende Oktober dauert die Saison, doch längst beschränkt sich das lukrative Geschäft auf die drei Sommermonate. Man wisse auch nicht, woran das liege, "eigentlich hat sich doch nichts verändert", rätselt Janczy Szczepan, vielleicht sei aber genau das das Problem. "Alles läuft noch wie vor 20 Jahren", sagt er. Vielleicht müsse man auch mal Werbung machen, doch dafür fehle angeblich das Geld. "Zurzeit sind wir einfach zu viele Flößer für zu wenige Touristen." Viele haben sich daher eine zweite Arbeit suchen müssen. Maciej Kordeczka arbeitet als Fitnesstrainer, seine Eltern vermieten jetzt ein Zimmer an Feriengäste.

Lotse durch Untiefen und Strudel

Aus einem Lautsprecher scheppert eine gelangweilte Frauenstimme: "Die 408 bitte" - das Floß der Kordeczkas. Jedes trägt eine Nummer, eine Liste legt die Startplätze fest. Die Kordeczkas stehen heute ganz oben auf der Liste, haben ihr Floß bereits zuammengebaut und am Ufer vertäut.
Bis in die sechziger Jahre waren die Flöße noch ausgehöhlte Baumstämme, die mit Seilen zusammengehalten wurden. Heute sind es fünf Pontons, aus Fichtenbrettern zusammengenagelt, die in 20 Minuten verschnürt sind. Zehn Fahrgäste haben sich gefunden, zeigen ihre Tickets. Kraftvoll stößt Jan Kordeczka das Floß mit der vier Meter langen Stake ab. Geräuschlos nimmt der Fluss es mit. Konzentriert beobachten die Männer die Bewegungen des Wassers. "Auch wenn es nicht so aussieht, der Fluss ist gefährlich", sagt Maciej Kordeczka.

Oft sei er von Touristen gefragt worden, ob sie nicht auch mal lenken dürften, so schwer könne das doch nicht sein. Jedes Mal habe er erklärt, dass es Untiefen, Sandbänke, versteckte Felsen und Strudel gebe, die das Floß blitzartig wenden könnten. Manchmal spielt der Wind ihnen Streiche, hat er eben noch stetig ins Gesicht geblasen, fegt er im nächsten Moment hinterrücks gegen das Heck, dreht urplötzlich auf die Seite. Und auch das Wetter könne augenblicklich umschlagen. Oft legten sie bei wolkenlosem Himmel ab und wurden drei Kurven weiter von einem Gewitter überrascht. In den 35 Jahren, die Jan Kordeczka Touristen flussabwärts bringt, sei aber noch nie etwas passiert, sagt sein Sohn.

"Wer viel redet, redet viel Unsinn"

Jan Kordeczka selber redet nicht viel, nur das Nötigste. "Rechtes Ufer Slowakei, linkes Ufer Polen", sagt der 56-Jährige und deutet mit der Hand ans rechte, dann ans linke Ufer. "Wer viel redet, redet viel Unsinn", sagt er, "der Fluss ist mein Leben, wie für viele hier. So ist das halt." Ein slowakisches Floß gleitet heran und vorbei. Vielen polnischen Flößern sind die Kollegen vom anderen Ufer ein Dorn im Auge, eine unnötige Konkurrenz. "Wir grüßen uns, mehr nicht", sagt Maciej Kordeczka. "Die da drüben", wie er sie nennt, "wollen immer schneller sein, nehmen viel zu viele Personen mit, dabei sind sie doch bloß neidisch, dass der Fluss die Biege nach Polen macht und wir fünf Kilometer weiter flößen können."

Der spektakulärste Abschnitt aber liegt im internationalen Gewässer, sowohl Polen als auch Slowaken haben im sogenannten Durchbruch des Dunajec Floßrecht. Hier zwängt sich der Fluss auf acht Kilometern zwischen steil aufragenden Felswänden, an manchen Stellen bis zu fünfhundert Meter hoch.
Sind Vater und Sohn gut gelaunt, singen sie hier die alten Lieder der Goralen, die von den großen Taten der Volkshelden erzählen. Und die grauen Wände werfen ihre Stimmen zurück, ein einzigartiger Kanon mit der Natur entsteht. Wieder am Ufer. Floß auseinanderbauen und zurück nach Katy.

Im Lkw erzählt Maciej Kordeczka von seiner zweijährigen Tochter und dass sie die Tradition der Familie leider nicht fortführen könne, "man muss Kraft haben als Flößer", sagt er. In der fast 300-jährigen Geschichte der Dunajec-Flößer habe es noch nie eine Frau gegeben. Wenn er mal einen Sohn haben sollte, werde sich dieser aber gewiss auch für den Fluss entscheiden, "ich wäre stolz auf ihn." Und sein Vater? Ist der auch stolz auf seinen Sohn? Maciej Kordeczka überlegt. "Ich weiß es nicht, ich habe ihn nie gefragt", sagt er, "ich glaube, ja." Jan Kordeczka sagt nichts, wie so oft, aber er nickt.

                   

Weitere Infos: www.flisacy.com.pl (deutsch)
                                 www.pieninypn.pl (polnisch)

Tauchen

Polen bietet vielfältgste Möglichkeiten zum Tauchen. Bei vielen tauchschulen können die international anerkannten Tauchscheine nach den Regeln der CMAS erworben und Spezialprüfungen absolviert werden.

  • Größte Attraktion ist das Wracktauchen in der Danziger Bucht
  • Die besten Tauchgebiete für Anfänger befinden sich in den Seengebieten von  Masuren und der Kaschubei.
  • Tieftaucher kommen im 108 Meeter tiefen See Hancza bei Suwalki auf ihre              Kosten. In dieser Region ist auch das beste Gebiet für Eistaucher, die hier von Dezember bis März aktiv sind.

Infos:www.kdp-pttk.org.pl

Tauchgänge zu den Wracks in der Ostsee veranstaltet

www.ticada.pl (polnisch).

 
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