Home arrow EU & Polen arrow Deutsch-polnische Kontroverse über Atomenergie-Versorgung
Deutsch-polnische Kontroverse über Atomenergie-Versorgung Drucken E-Mail

Polen plant den Bau von drei Atomkraftwerken  bis etwa 2020. Wo genau ist noch nicht bekannt gegeben. Berlins Regierender Oberbürgermeister Wowereit und Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Platzeck vermuten  einen der möglichen Standorte im polnischen Gryfino, etwa 100 Kilometer Luftlinie von Berlin entfernt. Dagegen protestieren sie im Verbund mit  Bürgerinitiativen. Aber wie denken eigentlich die Polen über diese Thematik? MVregio News hat  vorliegende Studien ausgewertet, dazu die Stimmung in Polen befragen lassen – und kommt zu diesem Ergebnis:


Zahlreiche Studien zeigen, dass die Unterstützung für den Bau von Kernkraftwerken in Polen stetig zunimmt: Im Jahr 2008 waren nur ca. 30 Prozent der Befragten für den Bau eines Kernkraftwerks, während der Anteil der Kernkraftbefürworter im Jahr 2009 auf fast 50 Prozent der Befragten anstieg. 61 Prozent der polnischen Männer befürworten nach dieser Studie den geplanten Kraftwerksneubau, während die Polinnen diesen nur zu 35 Prozent unterstützen. Von den jüngeren Polen bis 29 Jahre überwiegen die Befürworter mit 53 Prozent. Unter den älteren Polen über 60 Jahre zählen hingegen nur 41 Prozent zu den Kernkraftbefürwortern. Die meisten polnischen Kernkraftanhänger verfügen über eine höhere Schulbildung (66%) und ein höheres Einkommen (über 1.000 Euro pro Monat) (60%). Unter den Berufsgruppen dominieren hierbei die Manager (70% Befürworter) und die Studenten (57% Befürworter). Die größten Kernkraftskeptiker finden sich bei Bürgern mit geringerer Schulbildung und geringerem Einkommen: Nur 35 Prozent der Befragten mit Grundschulbildung (8 Schuljahre) und nur 33 Prozent der Polen mit einem Einkommen von weniger als 300 Euro unterstützen die Kernkrafttechnologie.

Die Kernkraftgegner nennen folgende Gründe für ihre Haltung: Befürchtete Folgen von Störfällen (54%), die negativen Erinnerungen an den Reaktorunfall in Tschernobyl (51%), Informationsdefizite zu Chancen und Risiken der Kernenergie (26%) und die auch in Polen fehlende Lösung für die Endlagerung abgebrannter Brennelemente und radioaktiver Abfälle (15%).

Mvregio/ds/26.09.2009

 
< Zurück   Weiter >
(C) 2012 www.polentoday.de
Joomla! is Free Software released under the GNU/GPL License.