Home Panorama Handball: Das Karol-Bielecki-Wunder
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Handball: Das Karol-Bielecki-Wunder |
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Es ist ein Handball-Wunder: Der auf einem Auge erblindete Karol Bielecki warf zwei Monate nach seinem schrecklichen Unfall die Rhein-Neckar Löwen praktisch im Alleingang zum Sieg im Bundesliga-Spiel gegen Göppingen - dabei schien die Karriere des Polen bereits beendet. Es war ein Schicksalsschlag für den 28-Jährigen, der sich am 11. Juni ereignete: Bielecki war beim Länderspiel gegen Kroatien auf dem Parkett, bekleidete wie gewohnt die Halbposition auf Links, als es passierte: Der Vize-Weltmeister bekam bei einer Abwehraktion unabsichtlich den Finger seines Gegenspielers Josip Valcic in das linke Auge, Bielecki ging sofort blutend zu Boden, hielt sich das Gesicht. Sanitäter versorgten den Polen umgehend noch auf dem Parkett, später wurde er ins Krankenhaus in Kielce gebracht. Nach einer Computertomographie entschieden die Ärzte, den 28-Jährigen in eine Spezialklinik ins 180 Kilometer entfernte Lublin zu bringen.
Wenig später dann die erschütternde Diagnose: "Die Untersuchungen ergaben, dass die Sehkraft auf dem verletzten linken Auge leider nicht zurückkommen wird." Das Augenlid und der Augapfel wurden zu schwer verletzt. Ein Tiefschlag für Bielecki, der nicht nur zu den besten Halbspielern des Welt-Handball zählt, sondern für den der Sport auch die Lebensgrundlage ist. Handball zu spielen auf höchstem Niveau ohne räumliches Sehen - das erschien ein Ding der Unmöglichkeit zu sein. Das Karriereende war damit praktisch besiegelt, die Ärzte machten dem 2,02-Meter-Mann keine großen Hoffnungen. "Ich habe eine Chance" Doch Bielecki kämpfte, wollte sich mit seinem Schicksal nicht abgeben. Der Hüne war trotz des gravierenden Rückschlags gewillt alles tun, um seine Laufbahn fortsetzen zu können. "Natürlich war das ein großer Schock. Da hatte ich elf Jahre gar keine Verletzung und nun das", sagte der Rückraumspieler, der aber trotzig hinzufügte: "Ich weiß, ich habe eine Chance, die will ich auch ergreifen."
Und das tat er - nur wenige Wochen nach dem Unfall. Versehen mit einer Schutzbrille versenkte der Pole bei seinem Comeback gegen Göppingen schon nach 50 Sekunden Spielzeit seinen ersten Wurf zum 1:0. Bielecki reckte die Fäuste in die Höhe, schrie seine Freude heraus. Doch es sollte nur der Anfang einer famosen Bielecki-Show sein - zehn weitere Tore würden noch folgen. "Ich habe den Moment des ersten Tores gebraucht. Da konnte ich zeigen, dass ich dabei bin und mir die Verletzung gar nichts bedeutet", sagte der Rückraum-Schütze der "Bild". Bielecki glaubt, dass das Elf-Tore-Comeback nur der Anfang gewesen ist: "Ich denke, dass ich in jedem Spiel besser werde."
Augen-Spezialist: Es ist möglich Auch der sportliche Gegner zollte Bielecki Respekt. "Seine Würfe waren so hart und platziert wie vorher auch", meinte Göppingens Torhüter Adam Weiner. Und das mit nur einem Auge. Spezialist Professor Albert Augustin von der Augenklinik Karlsruhe erläuterte gegenüber der "Bild", dass dies für einen Spitzensportler durchaus möglich ist. "Auch wenn man nicht mehr räumlich sehen kann, errechnet unser Gehirn aus den Millionen Eindrücken des bisherigen Lebens ein Stereo-Bild, eine räumliche Einschätzung. Das braucht Eingewöhnungszeit."
Und diese nehmen sich Bielecki und sein Klub - egal, wie lange es dauern mag.
eurosport/ds/06.09.2010 |
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