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Opposition instrumentalisiert Hooligans Drucken E-Mail

Die rechtskonservative polnische Oppositionspartei "Recht und Gerechtigkeit" (PiS) wirft der Regierung vor, ihren Kritikern unter den Fußballfans den Mund zu verbieten. Der PiS-Fraktionsvorsitzende Mariusz Blaszczak forderte die Einberufung des Justizausschusses im Parlament, nachdem die Polizei im ostpolnischen Bialystok am Dienstag 43 Demonstranten festgenommen hatte. Dies sei eine "evidente Verletzung der Meinungsfreiheit" gewesen, erklärte Blaszczak in einem Brief an das Parlamentspräsidium.
Die Fußballfans in Bialystok hatten gegen die Schließung eines Teils ihres Stadions demonstriert und dabei Parolen gegen die rechtsliberale Regierungspartei "Bürgerplattform" (PO) und Premierminister Donald Tusk skandiert. "Tusk, du Trottel, wir stürzen deine Regierung", hieß es unter anderem. Die Polizei stellte den Fans nach der Festnahme Bußgeldbescheide zwischen umgerechnet 125 und 250 Euro aus. Schon beim vergangenen Liga-Spiel in Bialystok waren von den Rängen regierungskritische Sprechchöre gekommen.

Nach Ansicht von PiS-Abgeordneten war die Schließung eines Teils des Stadions und die Festnahme der protestierenden Fans eine Reaktion auf die Kritik an der Regierung. Die Polizei sei in einer politischen Auseinandersetzung "missbraucht" worden, so Mariusz Blaszczak.

Den Protest der PiS unterstützt die politisch unabhängige Warschauer Helsinki-Stiftung für Menschenrechte. Regierungskritische Inhalte auf Transparenten von Fußballfans berechtigten die Polizei nicht zum Einschreiten, hieß es in einem Brief der Stiftung an das Innenministerium.

Ministerpräsident Donald Tusk hatte den Fußallrowdys nach den Ausschreitungen beim polnischen Cupfinale zwischen Legia Warschau und Lech Posen den Kampf angesagt. "Dieser Krieg ist zu gewinnen", so die Worte des Regierungschefs. Mehrere Stadien wurden wegen Sicherheitsbedenken geschlossen. Die Polizei in Poznan (Posen) sucht mit einem Fahndungsplakat nach 51 mutmaßlichen Hooligans, sieben wurden inzwischen identifiziert. Die Partei PO von Donald Tusk will die Rechte von Stadionbesuchern durch eine Gesetzesänderung einschränken.

Indes gibt es in Polen fast wöchentlich neue Nachrichten über Gewalt von Fußballfans. Drei Unbekannte zerschnitten am Dienstag in Piekary Slaskie, im oberschlesischen Kohlerevier, einem 15-jährigen Schüler das Gesicht. Sie ritzten ihm mit einer Rasierklinge die Initialen eines Fußballclubs auf die Stirn und die Wangen. Nach Medieninformationen wurde der Schüler nur deshalb zum Opfer, weil er in einem Stadtviertel wohnt, das den Anhängern eines bestimmten Fußballvereins zugerechnet wird.

APA/derstandard/Foto:n-ost/19.05.2011

 
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