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IG BAU protestiert gegen chinesischen Autobahnbau in Polen Drucken E-Mail

Die Industriegewerkschaft Bauen Agrar Umwelt (IG BAU) hat öffentliche Auftraggeber vor Billig-Angeboten aus China gewarnt. Der an den chinesischen Staatskonzern Covec vergebene Auftrag für die Autobahn A2 in Polen sei in Verzug, das erste Teilstück werde nicht bis 30. Mai fertig, erklärte die Gewerkschaft. Damit sei offen, ob die A2 zwischen Berlin und Warschau pünktlich zur Fußball-Europameisterschaft 2012 in Polen fertig werde. Die Arbeiten an dem Teilstück stehen  seit Wochen still, weil Covec polnischen Subunternehmen Geld schulde.

Die IG BAU hält den Chinesen vor, mit Dumpingpreisen ihre europäischen Konkurrenten aus dem Feld geschlagen zu haben. In einer öffentlichen Ausschreibung hatte Covec  für  die 49,2 Autobahnkilometer umgerechnet 330 Millionen Euro veranschlagt, das Projekt wird mit EU-Geldern gefördert.  Die polnische Bauwirtschaft protestierte gegen den Zuschlag, die Dumping-Offerte läge unter der Hälfte der tatsächlichen  Kosten, während die IG BAU sogar von einem Drittel spricht. Sie hat  Bundesregierung aufgefordert, in Brüssel durchzusetzen, dass gleiche, faire Vergabebedingungen für alle gelten und Dumpingangebote aus Drittstaaten bei Auftragsvergaben in der EU nicht mehr berücksichtigt werden. Die Angst geht um bei der IG BAU, dass  der Polen-Auftrag  Schule macht und Covec auch in Westeuropa  mit Dumpingpreisen Aufträge an Land zieht.

Rund 500 chinesische Bauarbeiter sind seit Januar im Einsatz, 300 weitere sollen als Verstärkung nachkommen. Verträge mit rund 700 polnischen Subunternehmern wurden abgeschlossen. Und daran scheint die Dumping-Kalkulation nun zu platzen. Covec ist im Zahlungsverzug,  polnische  Zulieferer haben bereits die Zusammenarbeit eingestellt. Ohne sie zerbröselt die China-Kalkulation. Coves hält seine Arbeitstruppe in Polen in Wohncontainern  kaserniert, verpflegt sie mit eigener Küche - und überweist den Lohn auf deren chinesische Konten. Das  sind Arbeitsbedingungen, die allen EU-Regeln widersprechen und deshalb nicht von der EU gefördert werden dürfen, verlangt die IG BAU.

Als Polen der EU beitrat, gab es so gut wie keine Autobahnen im Land. 2007 erhielt Polen zusammen mit der Ukraine den Auftrag, die Fußball-EM 2012 auszuragen. Im Bewerbungs-Portfolio hatte Polen zugesichert, bis 2012 rund 1.800 Autobahnkilometer zu bauen. Daraus wird  nichts, aber wenigstens Berlin-Warschau sollte via Autobahn verbunden sein. Ob der chinesische Staatskonzern das rechtzeitig hinkriegt? Die IG BAU hält das für ausgeschlossen.

IG BAU/ds/30.05.2011

 
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