Home arrow Geschichte&Kultur arrow Goethe-Medaille für drei bedeutende Europäer
Goethe-Medaille für drei bedeutende Europäer Drucken E-Mail

Adam Michnik, John le Carre und Ariane Mnouchkine sind gestern im Residenzschloss Weimar mit der Goethe-Medaille ausgezeichnet worden - sie gilt seit 1975 als offizieller Orden der Bundesrepublik Deutschland. In seiner Laudatio würdigte der Präsident des Goethe-Instituts, Klaus-Dieter Lehmann, die drei  als herausragende Persönlichkeiten der europäischen Öffentlichkeit. Sie hätten zu einem zusammenwachsenden, friedlichen und kreativen Europa beigetragen. Begründungen des Goethe-Instututs:

Mittler zwischen West- und Osteuropa
Adam Michnik (65)  ist einer der herausragenden polnischen Intellektuellen. Sein Lebenswerk ist verwoben mit dem Ende des Ostblocks und dem Beginn Osteuropas – als Leitfigur der Dissidenz während des kommunistischen Regimes, als Vordenker eines demokratischen Staates sowie als Herausgeber der landesweit größten Zeitung „Gazeta Wyborcza“. Mit seiner Stimme hat er sich für Freiheit und Versöhnung über die Grenzen Polens hinaus eingesetzt; insbesondere nach Deutschland hat er noch vor 1989 immer wieder eine Brücke geschlagen. Er war eine der wichtigsten Stimmen, die für den EU-Beitritt seines Landes warben – innerhalb und außerhalb Polens. Als Mittler hat er sich für Kontinuität zwischen Polen und seinen Nachbarn in West und Ost eingesetzt. Das Goethe-Institut verleiht Adam Michnik für seinen herausragenden Beitrag, den er zum Dialog zwischen Ost- und Westeuropa geleistet hat, die Goethe-Medaille.

Meister des Kriminalromans
Der britische Schriftsteller David Cornwell alias John le Carré (79) wird für sein Lebenswerk mit der Goethe-Medaille ausgezeichnet. Entstanden ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, spiegeln le Carrés Arbeiten die politischen Konfliktlinien von der Zeit des Kalten Krieges bis heute wider. Der Meister des politischen und psychologischen Kriminalromans hat in seinen millionenfach verkauften Spionagethrillern die schwierige Rolle Deutschlands zur Zeit des Kalten Krieges literarisch verdichtet. Millionen Lesern verdeutlicht er auf eindringliche Weise die globalen Spannungsfelder. Sprachenlernen als Schlüssel für das Verständnis fremder Kulturen – das ist stets die Überzeugung le Carrés gewesen. In seiner Liebe zur deutschen Sprache hat der prominenteste deutschsprechende Schriftsteller Großbritanniens dafür ein beeindruckendes Beispiel gegeben.

Die Sonnenkönigin
Ariane Mnouchkine (72) ist eine Ikone des europäischen Theaters. Vor über 40 Jahren hat sie das „Théâtre du Soleil“, dessen Direktorin und Regisseurin sie ist, ins Leben gerufen. In seiner alternativen Theaterpraxis ist es bis heute einzigartig. Ihre Inszenierungen erzählen vom Mit- und Gegeneinander der Kulturen. In ihren Reisen um die ganze Welt ist sie zur Mittlerin zwischen Völkern, Religionen und Kulturen geworden. Unermüdlich hat sie sich für politisch verfolgte Künstler sowie für Migranten, Flüchtlinge und Asylanten an den europäischen Rändern eingesetzt. Intensiv begegnete sie der deutschen Kultur – mit Gorkis „Die Kleinbürger“ begann die Arbeit des „Théâtre du Soleil“, mit der Bühnenadaption von Klaus Manns „Mephisto“ debütierte Mnouchkine als Theaterautorin. Mit zahlreichen Inszenierungen war sie immer wieder zu Gast beim europäischen Nachbarn. Für ihre künstlerischen wie politischen Verdienste, die den Idealen der europäischen Aufklärung verpflichtet sind, wird Ariane Mnouchkine mit der Goethe-Medaille geehrt.

Goethe-Institut/Fotos: wikipedia/ds/29.08.2011

 
< Zurück   Weiter >
(C) 2020 www.polentoday.de
Joomla! is Free Software released under the GNU/GPL License.