Home arrow Geschichte&Kultur arrow Samuel-Bogumil-Linde-Preis an Mysliwski und Müller
Samuel-Bogumil-Linde-Preis an Mysliwski und Müller Drucken E-Mail

Der seit 1996 jährlich wechselnd  von den Partnerstädten Göttingen und Toruń  vergebene Literaturpreis  würdigt deutsche und polnische Schriftsteller oder Geisteswissenschaftler, die sich um „Verständigung, Versöhnung und freundschaftliche Zuwendung zum jeweiligen Nachbarn“ verdient gemacht haben. In diesem Jahr geht die mit jeweils 5.000 Euro prämierte Auszeichnung an die Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller und den polnische Schriftsteller Wieslaw Mysliwski. Die Preisverleihung erfolgt am 23. Oktober in Torún (Thorn). Namensgeber des Preises ist der 1771 in Torún geborene  Sprachforscher Samuel Bogumil Linde (Bild), dem Begründer des ersten Wörterbuchs der polnischen Sprache. 

Herta Müller (58), deren Familie zur deutschen Minderheit in Rumänien gehörte, wurde als Banater Schwäbin im Banat geboren. Ihr Großvater war ein wohlhabender Bauer und Kaufmann, der  unter dem kommunistischen Regime  enteignet wurde. Ihre Mutter wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zu jahrelanger Zwangsarbeit in die UdSSR deportiert. Ihr Vater, ehemals Soldat der Waffen-SS, verdiente seinen Lebensunterhalt als Lkw-Fahrer. Erst mit 15 Jahren lernte Herta Müller Rumänisch, studierte später Germanistik und Rumänistik und arbeitete ab 1976 als Übersetzerin in einer Maschinenfabrik. Dort wurde sie vom berüchtigten rumänischen Geheimdienst Securitate zur Zusammenarbeit aufgefordert, was sie ablehnte und fortan ständigen Drangsalierungen ausgesetzt war. Bald schon, so berichtete sie später, war ihr „Arbeitsplatz“ ein Treppengang. Und dort begann sie zu schreiben. Ihr erstes größeres Werk „Niederungen“ lag danach vier Jahre beim Verlag und wurde 1982 nur zensiert veröffentlicht. Vorgeschobene Begründung: Ihre prosaischen Schilderungen des dörflichen Lebens  seien vulgär in der Sprache und beleidigend für Rumänien. 1984 erschien es in der Originalfassung in Deutschland. Herta Müller konnte danach in Rumänien nicht mehr veröffentlichen und war immer wieder Verhören, Hausdurchsuchungen und Bedrohungen durch die Securitate ausgesetzt.
1987 wurde ihr die Übersiedlung nach Deutschland erlaubt. Ihre ersten Werke erschienen im Hanser-Verlag. Nach zahlreichen Auszeichnungen erhielt sie 2009 den Literaturnobelpreis für ihr“ sprachgewaltiges Gesamtwerk über die rumänische Diktatur“.

Wieslaw Myśliwskis (79)  zählt zu den bedeutendsten zeitgenössischen Autoren Polens. Auch seine ersten Werke behandeln die Identitätsprobleme der Dörfer und ihrer Bewohner in Zeiten historischer Veränderung, sie wurden lange als „Bauernliteratur“ bezeichnet. Von  1951 bis 1956 studierte Myśliwski Polonistik an der Katholischen Universität in Lublin. Von 1955 bis 1976 war er als stellvertretender Redakteur, Herausgeber und Chefredakteur beim Verlag Ludowa Spółdzielnia Wydawnicza tätig. Von 1975 bis 1999 arbeitete er als Chefredakteur der vierteljährlich erscheinenden Zeitschrift Regiony und leitete von 1993 bis 1999 zudem die Zeitschrift Sycyna. Von 1971 bis 1983 war Myśliwski Mitglied des polnischen Schriftstellerverbandes. Gleich sein erster Roman -  Nagi sad (Der nackte Garten) - wurde  mit dem Stanisław-Piętak-Preis ausgezeichnet. Für "Widnokrąg" (Der helle Horizont, 1997) und "Traktat o łuskaniu fasoli" (2006) erhielt er den Literaturpreis Nike, die bedeutendste literarische Auszeichnung Polens. Mehrere Romane  und Stücke wurden verfilmt, so "Klucznik" 1980 unter der Regie von Wojciech Marczewski, "Pałac" 1980 durch Tadeusz Junak und "Kamień na kamieniu" 1995 durch Ryszard Ber. Myśliwski verfasste selbst einige Drehbücher für Fernsehfilme.

Die  bisherigen Preisträger
2010 Adam Krzemiński und Karl Schlögel
2009 Adam Zagajewski und Durs Grünbein
2008 Ingo Schulze und Olga Tokarczuk
2007 Ewa Lipska und Sarah Kirsch
2006 Sławomir Mrożek und Tankred Dorst
2005 Paweł Huelle und Hans Joachim Schädlich
2004 Hubert Orłowski und Klaus Zernack
2003 Włodzimierz Kowalewski und Barbara Köhler
2002 Andrzej Stasiuk und F. C. Delius
2001 Jan Józef Szczepański und Henryk Bereska
2000 Hanna Krall und Marcel Reich-Ranicki
1999 Ryszard Kapuściński und Christa Wolf
1998 Tadeusz Różewicz und Siegfried Lenz
1997 Zbigniew Herbert und Karl Dedecius
1996 Wisława Szymborska und Günter Grass

ds/wikipedia/16.09.2011

 
< Zurück   Weiter >
(C) 2020 www.polentoday.de
Joomla! is Free Software released under the GNU/GPL License.