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Hamburger Auktionshaus gibt Beutekunst zurück Drucken E-Mail

Polnische Kunstsachverständige haben  verhindert, dass am vergangenen Samstag ein für Polen historisch bedeutsames Gemälde zum Aufrufpreis von 100 Euro verramscht werden konnte. Im Premierenkatalog des neu gegründeten Hamburger „Auktionshaus City Nord“  hatte die Abbildung eines Portraits mit der Zuschreibung „Herrenportrait, Öl auf Leinwand, 18. Jahrhundert“ ihre Aufmerksamkeit geweckt. Im Auftrag des polnischen Kulturministeriums wird weltweit nach im Zweiten Weltkrieg geraubten nationalen Kulturgütern gesucht, darunter allein  über 60.000 Gemälde. Das Portrait im Hamburger Auktionsangebot zeigt einen „Herrn“ mit markantem Bartschmuck und  mit einem Brustharnisch, der im 18. Jahrhundert längst nicht mehr getragen wurde.
Trotz dieser Auffälligkeiten fiel den Experten des „Auktionshaus City Nord“ nur „Herrenportrait...18. Jahrhundert“ ein, zu haben ab 100  Euro. Die polnischen Experten hingegen erkannten in dem Portrait auf Anhieb Jan III. Sobieski. Mit seinen 14.000  Flügel-Husaren hatte er 1663 die muslimischen Belagerer der Stadt Wien in die Flucht gejagt – und dem europäischen Abendland  das Christentum erhalten. Das Portrait des polnischen Königs ist seitdem in historischen Enzyklopädien allgegenwärtig.

Die polnischen Experten überzeugten mit weiteren Recherchen das Kulturministerium zum Einschreiten. Das Hamburger Konsulat wurde beauftragt, dem Auktionshaus die Verramschung des Portraits zu verbieten – und  geraubtes polnisches Kulturgut ersatzlos zu übergeben. Überaschend schnell knickte das Auktionshaus ein. Polens Außenminister Sikorski (Foto) stellte sich neben das Portrait, um vor der Presse zu verkünden: es gehört wieder Polen.

Polentoday hat im Hamburger Konsulat nachgefragt, welche Fakten zu der überraschend schnellen Rückgabe geführt haben? Auskunft: Das Portrait  hing einst im barocken Warschauer Brühlschen Palais. Dort residierte seit 1939 der SA-Führer Ludiwg Fischer als Gouverneur von Warschau, familiär engst befreundet mit dem für Polen eingesetzten Generalgouverneur Frank. Die Juristen Fischer und Frank hatten sich wie ihr Vorbild Göring privat an polnischen Kunstschätzen bereichert - und die Ehefrauen beider kreuzten regelmäßig in KZs auf, um aus der Hinterlassenschaft der Getöteten Wertvollstes zu rauben.

Nach dem Warschauer Aufstand 1944 ließ Fischer das Brühlsche Palais plattmachen und den von ihm geraubten Kunstschatz nach Schlesien transportieren. Hier wird das Portrait in den Listen letztmals vermerkt. Danach verläuft sich jeglicher Spurennachweis. Zu vermuten ist, dass die von Fischer und Frank geraubten Kunstschätze wie die von Göring in Bayern gelandet sind. Irgendwie schließlich gelangte das Portrait ins Hamburger „Auktionshaus City Nord“, deren Experten es zum Ramschpreis auslobten.

Das wiederum überrascht Kunstsachverständige nicht. 2010 ging  mit Schopmann das seit 1823 älteste deutsche Auktionshaus in Konkurs und wurde von der Unternehmerin Hannelore Greve übernommen. Ihr Ehemann Dr. Greve gilt als Hamburgs einflussreichster  Bauunternehmer. Hannelore Greve richtete ein Möbelhaus ein, das sie in den 1980ern mit großem Werbeaufwand um eine Antiquitäten-Abteilung erweiterte. Der lokale Fachhandel reklamierte, dass im großen Stil Fälschungen angeboten werden. Letztendlich bestätigte das Hamburger Oberlandesgericht den Vorwurf gegen die inzwischen zur Hamburger Ehrensenatorin und Titel-Professorin geweihte Unternehmerin. Ihr Ruf als Antiquitäten-Händlerin war perdu.

Nicht besser erging es dem Auktionshaus Schopmann, das in den 1990ern nach mehreren  Übernahmen seiner Fachkompetenz verlustig wurde und 2010 pleite ging. Hannelore Greve übernahm Schopmann mitsamt Personal in  das “Auktionshaus City Nord“. Der Premieren-Auftritt in der vergangenen Woche war wie in Fachkreisen erwartet. Als  einzige Publicity  kam die Rückgabe des polnischen Portraits heraus.

Frank wurde 1946 in Nürnberg, Fischer 1947 in Warschau hingerichtet.

ds/29.10.2011

 
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