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Wenn man als Deutsche Slomka heißt Drucken E-Mail

Alle  kennen Marietta Slomka, die Heute-Journal-Moderatorin. Oder Mirko Slomka, den Trainer von Hannover 96. Slomka klingt nicht deutsch wie Müller oder Schulze. Sondern polnisch. Und der Name bedeutet sogar etwas. Slomka heißt auf Polnisch „Strohhalm“. Namen erzählen Familien- und Herkunftsgeschichte. Deshalb sind sie so spannend. Genau wie im Deutschen auch, führen sich polnische Namen zurück auf Berufsbezeichnungen, auf Herkunftsorte oder auf Spitznamen.
Rund 13 Prozent der Familiennamen in Deutschland sind polnischer Herkunft. Im Ruhrgebiet, als dem klassischen Einwanderungsgebiet polnischer Arbeitskräfte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist der Anteil noch deutlich höher.
Die beiden vorliegenden Bände listen polnische Namen auf, wie sie im Ruhrgebiet auftauchen. Aufgrund der Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage sahen sich viele Polen seit den 1870er Jahren bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 dazu gezwungen, ihre Heimat zu verlassen.
 

Es wurden rund 3,6 Millionen Auswanderer gezählt, davon wanderten 2,6 Millionen in die USA aus, rund 400 000 kamen als Erwerbsmigranten ins Ruhrgebiet. In Herne, Wanne oder Gelsenkirchen bildeten sich richtige polnische Arbeiterkolonien. Auch Ostpreußen und Oberschlesier mit slawischen Namen aus den seit vielen Jahrhunderten kulturell gemischten Grenzgebieten des Deutschen Reiches siedelten sich hier an.

Die Autoren haben in großer Fleißarbeit viele Tausend Namen auf ihre Herkunft und Bedeutung sowie ihre Präsenz im Ruhrgebiet untersucht. Einführende Artikel zur Namenskunde, zur Geschichte der polnischen Migration machen das Buch zum vielseitigen Nachschlagewerk. Mit Flucht und Vertreibung kamen nach dem Zweiten Weltkrieg nochmals viele Millionen Menschen in den Westen, deren zum Teil slawisch klingende Namen sich mit dem vorliegenden Lexikon ebenfalls wunderbar erklären lassen. Ob sie nun Przybyla (von Przybyl = der Neuangekommene), Rak (Krebs), Ptok (Vogel) oder Wrobel (Spatz) heißen.

Lexikon der Familiennamen polnischer Herkunft im Ruhrgebiet
Kazimierz Rymut / Johannes Hoffmann
Herausgegeben von Polska Akademia Nauk - Instytut Jezyka Ploskiego - Forschungsstelle Ostmitteleuropa an der Universtät Dortmund
Hardcover, 500 Seiten
Krakau 2010, je Band ca. 30 Euro
ISBN 978-83-88866-84-5

WN/Polbuch/ds/21.11.2011

 
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