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„Anonymous“ attackiert Marianer-Orden Drucken E-Mail

Seit einigen Tagen erhält der katholische Marianer-Orden Tausende Spam-Mails von der Online-Guerilla Anonymous. Deren Botschaft lautet: „Gebt Pfarrer Boniecki eine Stimme“, berichtet die Tageszeitung "Gazeta Wyborcza". Anonymous tritt weltweit für Redefreiheit ein – und damit tut sich der geistliche Vorstand des Ordens der „Marienbrüder“ schwer.
Bruder Adam Boniecki weicht mit zunehmendem Alter, er ist 77, vom erzkonservativen Ordenskodex ab. Als einstiger Chefredakteur der katholisch-liberalen Wochenzeitschrift „Tygodnik Powszechny“ hatte er bereits  mit Kommentaren genervt, die etwa in Empfehlungen mündeten, die Kirche täte gut daran, die polnische Gesellschaft nicht im strengen Glaubenskorsett zu halten, sondern sich zeitgemäß zu orientieren. Anfang November lief dem Ordensvorstand die Galle über, sie erteilte Boniecki einen Maulkorb.

Der Anlaß war vergleichsweise banal. Es ging um die Frage, ob im polnischen Parlament ein Kruzifix hängen darf? Es muß weg, fordert die neue ins Parlament gewählte Partei des anti-kirchlichen Janusz Palikot. In Polen wird  darüber heiß debattiert, und Boniecki sprach sich in TV-Gesprächen für eine offene Diskussion aus. Seitdem hat ihm der  Orden öffentliches Reden verboten - und nun Probleme mit Anonymous.

Der Marianer-Orden geht auf eine Stiftungsgründung im Jahr  1170 zurück und wurde nahtlos vom Deutschen Ritterorden übernommen. Die Preußen gaben sich  weltoffen, ob Polen  sich für eine lutherische oder römisch-katholisch Glaubenslehre entscheidet, war ihnen ziemlich egal. Und so sehen das wohl auch die Hacker von Anonymous. Sie fordern Redefreiheit für Pater Boniechi und attackieren  mit Waffen, die dem Orden offenbar so fremd sind wie um 1170.

Gazeta Wyborcza/Foto:Wikipedia/ds/30.12.2011

 
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