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EURO 2012: „Es ist Zeit für Lato zu gehen“ Drucken E-Mail

Nach dem Vorrundenaus der Nationalmannschaft kocht bei polnischen Fans die Seele, Köpfe sollen jetzt rollen, als erster der von PZPN-Verbandschef Grzegorz Lato (Foto). Der einst gefeierte Torschützenkönig der WM 1974 hatte vor dem EURO-Turnier großspurig seinen Amtsverzicht für den Fall angekündigt, dass Polen in der Vorrunde ausscheide". Schon am Montag nahm ihn Sportministerin Joanna Muacha während einer Presskonferenz in Warschau beim Wort, legte ihm den Rücktritt nahe und fetzte mit scharfer Kritik: „Das größte Problem ist, dass der Verband schlecht geleitet wird. Große Veränderungen beim PZPN sind notwendig, und ich hoffe, dass es dazu kommt."



Eine Steilvorlage zur Kritik an Lato hatte bereits Kapitän Jakub (Kuba) Blaszczykowski nach der entscheidenden 0:1-Niederlage gegen Tschechien gegeben: "Der Präsident sagt, er habe ein gutes Verhältnis zum Team, davon merke ich aber nichts", hatte Kuba vor laufenden Kameras  gesagt – und weiter: "Jedes Mal, wenn wir etwas mit ihm aufbauen, hat es keinen Bestand. Viele Dinge werden nicht so gemacht, wie sie gemacht werden sollten."

Dass auch das Zusammenspiel der Mannschaft mit Trainer
Franciszek Smuda nicht zum Besten gestanden haben dürfte, läßt sich aus Smudas Ehrenerklärung für Lato  deuten: "Ich würde niemals etwas gegen den Verband sagen. Er hat uns zweieinhalb Jahre mit allem unterstützt, was wir brauchten", sagte Smuda. Mit seiner Rücktrittserklärung hat er sich zwar als Bauernopfer angeboten. Doch ob das Lato hilft, seinen Kopf zu retten, obliegt den Medien. „Es ist Zeit für Lato zu gehen“ forderte die Tageszeitung "Rzeczpospolita" am Montag, und das Boulevardblatt "Super Express" druckte große Fotos von Lato und Trainer Franciszek Smuda und schrieb darunter: "Schämt ihr euch nicht, den Polen in die Augen zu schauen?"

Lato hingegen ist abgetaucht. Und so weiß niemand zurzeit, ob er Wort hält mit seiner Rücktrittserklärung bei einem Ausscheiden Polens in der Vorrunde. Als Verbandschef des PZPN hatte er den in Korruptionsfällen verwickelten Michal Listkiewicz abgelöst. Aber kaum im Amt sah er sich gleichen Anschuldigungen ausgesetzt. Zu restlosen Aufklärung kam es nicht, weil der Verband sich gegenüber Medien mit Auskünften eingeigelt hatte.

Auch wenn Lato doch noch seinen Rücktritt erklären sollte, stünde sein Nachfolger  vor der Sisyphus-Aufgabe, die traditionell  verfilzte Verbandsstruktur zu bereinigen. Wer das nach Lato richten könnte, braucht Latos Stimmenmehrheit. Deshalb fordert Sportministerin Joanna Muacha seinen Rücktritt.

fr-online/sid/ Rzeczpospolita/Super Express/ds/19.06.2012

 

 
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