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EURO 2012: Nach dem Ball rollt die Pleitewelle in Polens Baubranche Drucken E-Mail

Die polnische Baubranche hat sich offenbar mit Projekten für die Fußball-EM überhoben. In diesem Jahr seien bereits rund 100 Baufirmen zahlungsunfähig geworden, darunter auch der Marktführer PBG, erklärte der Kölner Kreditversicherer Atradius. Er versichert Unternehmen dagegen, dass ein Auftraggeber pleite geht und seine Rechnungen nicht mehr zahlen kann. Nach Erkenntnissen von Atradius habe bereits  im ersten Quartal 2012  mehr als jede zweite polnischeBaufirma rote Zahlen geschrieben - weit mehr als im Jahr zuvor.
"Die Aussicht auf lukrative Großaufträge verleitet die Unternehmen dazu, zu günstig anzubieten", sagt Michael Karrenberg, Risikochef bei Atradius für Deutschland und Osteuropa. "Gleichzeitig gehen die Betriebe durch hohe Investitionen weit in Vorleistung. Zahlt der Auftraggeber dann später als erwartet oder gar nicht, kommen besonders Mittelständler schnell ins Straucheln". Karrenberg belegt die Entwicklung in die Pleite faktenreich:


„Die Belastungen durch die EM 2012 kamen  für die polnische Baubranche  zur ungünstigsten Zeit, denn der Wirtschaftszweig steckte bereits  in einer tiefen strukturellen Krise. Im Schnitt machten die Unternehmen im März dieses Jahres 6,2 Cent Verlust pro Euro Umsatz. Im Gesamtjahr 2011 fuhren sie noch einen Gewinn von 1,6 Cent pro Euro Umsatz ein, 2010 waren es noch 3 Cent. Im ersten Quartal 2012 befanden sich mehr als 50 Prozent der Bauunternehmen in der Verlustzone - deutlich mehr als in früheren Jahren.

Auch über die polnische Grenze hinaus wirkt sich die EM negativ auf Bauunternehmen aus. So mussten Zulieferer polnischer Firmen in China und Irland Insolvenz anmelden. Auch sie hatten zum Teil viel zu billig angeboten.

"Dass gerade mittelständische Bauunternehmen die Zahlungsflüsse bei Großprojekten falsch kalkulieren und deswegen in Schwierigkeiten geraten, ist nicht neu. Das gleiche Phänomen haben wir zum Beispiel beim Bau der ICE-Trasse zwischen Frankfurt und Köln beobachtet", sagt Karrenberg. "Damals kamen mittelständisch geprägte Konsortien in Schwierigkeiten, weil sie länger als geplant auf die Begleichung ihrer Rechnungen warten mussten."

Einen Einfluss der EM 2012  auf die deutsche Bauindustrie hat  Atradius nicht feststellen können. Der deutschen Branche gehe es vergleichsweise gut, so der Kreditversicherer. Drei der vier polnischen Fußball-Stadien  wurden von deutschen  Entwicklungsbüros und Finanzkonsortien  abgewickelt. Für sie hat sich das Geschäft ausgezahlt.

Altradius/FTD/ds/11.08.2012

 
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