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Deutschland ist Tadeusz Mazowiecki zu großem Dank verpflichtet Drucken E-Mail
Tadeusz Mazowiecki, der erste demokratisch gewählte Ministerpräsident Polens nach dem Zusammenbruch des Kommunismus, ist  im Alter von 86 Jahren nach  langer Krankheit in Warschau gestorben. Der tiefgläubige Katholik war ein antikommunistischer Bürgerrechtler und gehörte während des Streiks auf der Danziger Leninwerft zu den Beratern des späteren Präsidenten Lech Walesa. 1989  nahm er an den Gesprächen am Runden Tisch teil, um den friedlichen Übergang vom Kommunismus zur Demokratie zu verhandeln. Im  August 1989 wählte ihn der Sejm zum Premier. Er machte es zu seinem besonderen Anliegen, einen "dicken Strich" unter die Vergangenheit ziehen zu wollen mit einem friedlichen Brückenschlag nach Russland und Deutschland.
Das brachte ihm heftige Kritik von führenden Gewerkschaftern ein, die seinen Versöhnungskurs ohne eine Abrechnung mit der kommunistischen Vergangenheit Polens nicht mittragen wollten. Zu einem Symbol des Brückenschlags wurde die "Versöhnungsmesse" im November 1989 in Kreisau, an der Mazowiecki und der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl teilnahmen. Doch auch die Abneigung gegenüber Deutschland war in der Bevölkerung noch zu lebendig und führte mit zu seiner Abwahl.

Von 1992 bis 1995 war Mazowiecki Uno-Sonderbotschafter für den Konflikt im ehemaligen Jugoslawien. Nach dem Massaker von Srebrenica, bei dem bosnisch-serbische Truppen im Juli 1995 rund 8000 Männer und Jungen ermordeten, trat er von diesem Amt aus Protest gegen die Passivität der internationalen Staatengemeinschaft zurück.

Für sein Lebenswerk erhielt Mazowiecki viele internationale Auszeichnungen: 1995 wurde ihm von der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen die Dag-Hammarskjöld-Ehrenmedaille verliehen.

Die Bundesrepublik Deutschland verlieh ihm im Jahr 2000  das Bundesverdienstkreuz  als "Vordenker der friedlichen Revolution in seiner Heimat" und für seinen Beitrag zur Überwindung der europäischen Teilung.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso würdigte ihn als "einen der Gründungsväter des wiedervereinigten Europas".

Für  Lech Walesa, Friedensnobel-Preisträger und Staatspräsident von 1990 – 1995, war  Mazowiecki  der „bisher beste Regierungschef Polens“.

Und Bundespräsident Joachim Gauck schrieb in seinem Kondolenzschreiben an  Staatspräsident Bronisław Komorowski unter anderem:
"Der Tod des früheren polnischen Ministerpräsidenten Tadeusz Mazowiecki erfüllt mich mit tiefer Trauer. Ich möchte Ihnen, auch im Namen meiner Landsleute, mein tief empfundenes Mitgefühl für diesen schmerzlichen Verlust aussprechen…Der fest im christlichen Glauben wurzelnde, sich als liberaler Konservativer verstehende Mazowiecki, hat Deutschlands Weg in die Einheit unterstützt und Polen politisch wieder in Europa beheimatet. Wir Deutschen werden ihm besonders für seine Versöhnungsbereitschaft dankbar bleiben."

Bundespresseamt/Spiegel Online/Wikipedia/ds/28.10.2013
 
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