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SB - Markt 2006 Drucken E-Mail

Handelskonzerne expandieren in Polen

Bau neuer Verkaufs- und Geschäftszentren / Kaufkraft und Konsumentenvertrauen steigen / Von Beatrice Repetzki/bfai

Polens Einzelhandel ist weiterhin von hoher Dynamik geprägt. Der Umsatz mit Fast moving consumer goods (Lebensmittel, Artikel des täglichen Bedarfs) betrug 2005 laut GfK Polonia 135,5 Mrd. Zl. Davon entfielen 33,5 Mrd. Zl auf die zehn größten Supermarktketten. In- und ausländische Handelskonzerne investieren verstärkt in ihre Filialnetze. Die vor Ort bereits aktiven ausländischen Branchenplayer - Tesco, Carrefour, Real, Auchan - könnten bald Konkurrenz von Aldi und Wal-Mart bekommen. Aufstrebende inländische Ketten sind "POLOmarket" und "Stokrotka".

Bereits seit Herbst 2005 wachsen die Einzelhandelsumsätze in Polen verstärkt. In den ersten vier Monaten 2006 erreichte der Zuwachs 10,1% gegenüber Januar bis April 2005; im April 2006 allein sogar 13,6%. Überdurchschnittliche Steigerungen erzielten Händler von Möbeln sowie Audio-, Video- und Hausgeräten mit 16 bzw. 27%. Eingebettet ist diese Entwicklung in ein insgesamt beschleunigtes Wirtschaftswachstum. Im 1. Quartal 2006 stieg das Bruttoinlandsprodukt real um 5,2% gegenüber 4,3% im 4. Quartal 2005.
Angelockt von diesem Boom lassen sich die internationalen Handelsketten offenbar nicht durch Androhungen populistischer Regierungsparteien abschrecken, ihre Expansion in Polen gesetzlich zu beschränken. Bereits 2005 stieg die Zahl der Großmärkte ausländischer Ketten um 41 von 460 auf 501 (gegenüber 2004). Bis 2010 plant Tesco nach eigenen Angaben weitere 1,4 Mrd. Zl zu investieren, Carrefour 1,2 Mrd. Zl und Real 0,2 Mrd. Zl. Die umfangreichsten Pläne hegt jedoch die französische Kette, Auchan, die 3,5 Mrd. Zl aufbringen und bis 2010 zehn weitere mit Handelsgalerien verbundene Hypermärkte eröffnen will. Castorama und Leroy Merlin beabsichtigen, neben weiteren großen Baumärkten Discount-Ketten für Do-it-yourself-Bedarf zu schaffen.
Auch Aldi sucht Standorte für Märkte in Polen und Personal dafür. Der erste Aldi-Supermarkt soll lt. einem Sprecher des Handelskonzerns Anfang 2007 in Warschau öffnen. Innerhalb weniger Monate soll ihre Zahl dann auf 30 steigen.

Schon länger wird über Absichten des größten Einzelhandelskonzerns der Welt, Wal-Mart aus den USA, spekuliert, sich in Polen zu etablieren. Laut Pressemeldungen kommt für Wal-Mart aber nicht der Neubau eigener Märkte in Frage, sondern die Übernahme einer bereits bestehenden Kette. Dabei könnte es sich um die zum portugiesischen Konzern Jeronimo gehörenden Biedronka-Märkte handeln.

Die französische Casino-Gruppe will sich von Märkten in Polen trennen, wo sie 18 Geant-Hypermärkte und 210 Leader-Price-Supermärkte betreibt. Als mögliche Käufer gelten Investment-Fonds, die für Wal-Mart tätig sind, sowie die britische Tesco-Kette und der französische Konkurrent Carrefour. Durch diese Verkäufe will Casino rd. 1,5 Mrd. US$ einnehmen und damit ihre Verschuldung verringern. Die Gruppe beabsichtigt aber nicht, sich ganz aus Polen zurückziehen, sondern will demnächst vier neue Geant-Hypermärkte und etliche Leader-Price-Supermärkte eröffnen.



Parallel zu den ausländischen Ketten expandieren inländische Handelsunternehmen, die Supermärkte und Discount-Läden in Laufnähe der Kunden errichten. Deren Zahl stieg 2005 kräftig an auf 771 (2004: 500). Zu den aufstrebenden inländischen Ketten zählen u.a. POLOmarket (Einnahmen 2005: 1,11 Mrd. Zl) und Stokrotka der Firma Eldorado.

Insgesamt gibt es in Polen 118.500 Geschäfte mit FMCG. Unter diesen besteht ein Trend, sich großen Ketten anzuschließen, um Preis- und Marketing-Vorteile zu erlangen. Ab Herbst 2006 werden sich 900 der insgesamt 4.000 Genossenschaftsläden "Spolem" zu einer Kette zusammenschließen, die bereits ihre Einkaufszentrale Krajowa Agencja Handlowa gegründet haben.



Stimuliert werden die Einzelhandelsumsätze durch die zunehmende Kaufkraft und das gestiegene Konsumentenvertrauen der polnischen Bürger. Von April 2005 bis April 2006 nahm die Kaufkraft um 3,5% zu. Gleichzeitig wuchsen die Durchschnittslöhne nominal um 4% auf 2.570 Zl und die Renten um 8,7%. Außerdem nimmt das Konsumentenvertrauen in Polen zu. Es stieg im Mai 2006 gegenüber dem Vormonat um fünf Prozentpunkte auf 98,4%. Immer mehr Konsumenten äußern die Absicht, langlebige Gebrauchsgüter anschaffen zu wollen. Erwartet wird eine Entspannung auf dem Arbeitsmarkt bei einer relativen Preisstabilität. Im Laufe eines Jahres entstanden 135.000 neue Arbeitsplätze, so dass die Arbeitslosenquote im April 2006 auf 17,2% sank.

Die Expansion des Einzelhandels in Polen spornt Investorengruppen zum Bau neuer Geschäftszentren an. So errichtet im Zentrum von Wroclaw die LC Corp., welche nach ihrem Inhaber Leszek Czarnecki benannt ist, das Handels- und Geschäftszentrum "Arkady Wroclawskie". Finanziert werden soll das Projekt durch einen Konsortialkredit der Getin Bank, Raiffeisen Bank und der PKO BP in Höhe von 60,3 Mio. Euro. Dabei ist Leszek Czarnecki zu 67,8% an der Getin Holding S.A. GK, Wroclaw, beteiligt.

Mit dem Bau der "Arkady Wroclawskie" wurde bereits 2005 begonnen, so dass der Komplex im 1. Quartal 2007 eröffnet werden kann. Das Bürohaus mit einer Fläche von 8.000 qm werden Leszek Czarnecki gehörende Firmen beziehen. Die Handelsfläche von insgesamt 30.000 qm ist schon großenteils vermietet. Sie bietet 130 Geschäften Platz, wobei 3.000 qm für Lebensmittelmärkte reserviert sind. Als Attraktion wird dieser Bereich ein großes Ocean-Aquarium erhalten. Außerdem ist ein Multikinokomplex vorgesehen. Die Gesamtfläche von Arkady Wroclawskie wird etwa 100.000 qm umfassen.

Weitere Handels- und Dienstleistungszentren entstehen derzeit in mittelgroßen polnischen Städten. So errichtet die Firma Polnord, Gdansk, als Hauptauftragnehmerin in Bialystok die Galeria Biala (Weiße Galerie). Das vereinbarte sie mit TK Polska Operations in einem Vertrag über 42,7 Mio. Euro.

In Kielce wird zz. für etwa 33 Mio. Zl (rd. 8,4 Mio. Euro; 1 Euro = 3,94 Zl) das Einkaufszentrum "Pasaz Swietokrzyski" mit einer Handelsfläche von rd. 16.500 qm gebaut. Darin sollen ein Hypermarkt sowie bis zu 50 Boutiquen und Service-Stellen untergebracht werden. Investor ist die Firma Echo Investment, die Bauausführung übernimmt Polimex-Mostostal. "Pasaz Swietokrzyski" soll noch Ende 2006 eröffnet werden.

Der Warschauer Flughafen Okecie wird durch ein Laden- und Restaurant-Zentrum ergänzt. Nach Abschluss der Investition im Juli 2007 werden sich Geschäfte auf 9.000 qm und Restaurants auf 4.000 qm Fläche befinden. So soll der Flughafen nicht nur Reisende bedienen, sondern auch die Bewohner der Hauptstadt generell anlocken.

Eines der größten Handels-, Geschäfts-, Freizeit- und Kulturzentren Europas öffnete im Mai 2006 in Lodz seine Pforten. "Manufaktura" befindet sich auf dem Gelände einer ehemaligen großen Textilfabrik und hat 130 Mio. Euro gekostet. Die Betreiber rechnen bis Mai 2007 mit 15 Mio. Besuchern und einem Umsatz von 160 Mio. Euro. Investor ist die französische Firma Apsys. "Manufaktura" umfasst eine Fläche von 27 ha und bietet Platz für 300 Geschäfte, ein Vier-Sterne-Hotel, ein Restaurant, eine Diskothek, Museen, Kinos und andere Einrichtungen.

Hinweis:
Der Markt unterliegt einem starken Konzentrationsprozeß und hat 2006 zu erheblichen Übernahmegefechten geführt, über die im Nachrichtenteil dieses Portals laufend aktuell berichtet wird und die der Kategorie "Wirtschaft" zugeordnet sind. Weietre Hilfe bietet die Funktion SUCHEN, dort mit  Worteingabe der entsprechenden Handelskette.

 
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