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Polens Banken haben die Zeichen der Zeit erkannt. Neben der Kontoführung per Internet ist gerade die Nähe zu den Privatkunden ein wichtiges Geschäftsmotiv geworden. Die Zahl der Filialen steigt, die Banken erzielen Rekordergebnisse. Das gilt sowohl für einheimische Institute als auch für die Töchter ausländischer Banken.

Zofia Gesicka aus dem Warschauer Stadtteil Sadyba ist begeistert. „Toll, dass meine Bank gleich um die Ecke eine Filiale eröffnet hat“, meint sie. Das sei ein wichtiger Schritt, der ihr das Leben ein wenig leichter mache. Und ihr neuer Kundenberater Piotr Kapczynski fügt hinzu: „Die Leute haben es satt, sich durch verstopfte Straßen ins Stadtzentrum zu kämpfen.“ Außerdem müsse man in den großen Filialen der City oft Schlange stehen, berichtet er.

Polens Banken haben die Zeichen der Zeit erkannt. Neben der Kontoführung per Internet ist gerade die physische Nähe zu den Privatkunden ein wichtiges Geschäftsmotiv geworden. Das gilt sowohl für die großen einheimischen Banken wie die PKO BP als auch für die Töchter ausländischer Institute wie die amerikanische Citibank, die holländische ING und die Deutsche Bank.

Landesweit schießen ihre Bankfilialen wie Pilze aus dem Boden. Auch die Institute aus der zweiten Reihe wie Lukas Bank, Nordea und Millenium halten mit. Beim polnischen Bankenverband ZBP geht man davon aus, dass in den nächsten drei Jahren mindestens 1 500 neue Geschäftstellen entstehen werden.

Deutlich spürbar ist, wie die Konkurrenz auf dem polnischen Bankenmarkt schärfer wird. „Dabei sind die mittleren Banken in ihrer Kreditpolitik oft aggressiver als die großen Spieler“, betonen die Analysten von Fitch Ratings. Gespannt schaut man auch auf die bevorstehende Fusion der Pekao und der BPH, den polnischen Tochterbanken der italienischen Unicredit-Gruppe. Durch diese wird am polnischen Bankenmarkt ein neuer Marktführer entstehen. Bislang steht die PKO BP an der Spitze. „Bis Juni werden wir die rechtlichen Vorbereitungen für die Fusion abschließen“, berichtete Luigi Lovaglio von Unicredit.

Nach einer Vereinbarung mit dem polnischen Staat müssen die Italiener insgesamt allerdings etwa 200 BPH-Filialen verkaufen. Vermutlich werden diese an die GE Money Bank gehen, eine polnische Tochtergesellschaft der amerikanischen General Electric Gruppe. Gegenwärtig verhandelt Unicredit nur noch mit dieser Bank, die mit der Übernahme in die Spitzengruppe der polnischen Institute aufrücken wird.

Das Investitionsklima in Polen ist gut.

Generell agieren die polnischen Banken in einem positiven wirtschaftlichen Umfeld. Nach einem Wachstum von 6,1 Prozent im letzten Jahr erwartet die polnische Nationalbank für dieses Jahr eine Steigerung auf 6,4 Prozent. Analysten prognostizieren sogar Werte bis zu sieben Prozent. Der private Konsum und die Investitionen sind die wichtigsten Motoren dieses enormen Wachstums.

„Dabei werden Kredite an Privatkunden, insbesondere Hypotheken, auch weiterhin das Kreditgeschäft der Banken antreiben“, heißt es bei Fitch Ratings. Daran würde auch die absehbare leichte Anhebung der Leitzinsen durch die Zentralbank und deren Auswirkungen auf die Kreditzinsen nichts ändern, wird betont.

Wie gut das Investitionsklima in Polen ist, zeigt nicht zuletzt der massive Zufluss ausländischen Kapitals. Mit insgesamt gut elf Milliarden Euro im Jahr 2006 erreichten die ausländischen Direktinvestitionen den höchsten jährlichen Wert seit Anfang der neunziger Jahre. Die Investitionen sorgen immer auch für Kreditbedarf, etwa wenn es um die Finanzierung von Bauvorhaben geht. Die Banken nutzen diese Chance.

Hinzu kommt, dass gerade unter den ausländischen Investoren ein harter Wettbewerb um die besten polnischen Facharbeiter ausgebrochen ist. Dieser Kampf treibt die Löhne in bestimmten Ballungsgebieten hoch, was wiederum für mehr Kaufkraft und eine höhere Aufnahme von Konsumentenkrediten sorgt. Auch das belebt das Bankengeschäft.
So ist es kein Wunder, dass die polnischen Institute im vergangenen Jahr erneut ein Rekordergebnis eingefahren haben. Der gesamte Nettoertrag aller Geschäftsbanken stieg um 17 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro. Für das laufende Jahr wird ein ähnliches oder sogar ein noch besseres Ergebnis erwartet.

handelsblatt.com, Reinhold Vetter/ds/05.05.2007
 
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