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Emigrationswelle wieder fast so hoch wie im Rekordjahr 2007 Drucken E-Mail
Neuen Zahlen des Statistikamtes GUS zufolge haben  im vergangenen Jahr 2.2 Millionen Polen das Land verlassen, 70.000 mehr als im Jahr zuvor und damit fast so viele wie im Rekordjahr 2007 mit 2,3 Millionen Emigranten. Nicht berücksichtigt in der Statistik ist die temporäre Emigration bis zu drei Monaten der über 100.000 Saisonarbeiter, vorwiegend Erntehelfer.
Fatal an der anhaltend hohen Bereitschaft zur Emigration ist die Erkenntnis, dass die Emigranten im Ausland Wurzeln schlagen und in der überwiegenden Zahl erklären, erst im Rentenalter an eine Rückkehr denken. Damit kommt auf Polen ein gewaltiges demographisches Problem zu.

Offiziell wird die gegenwärtige Bevölkerungszahl mit 38.4 Millionen angegeben, laut Eurostat sind es nur noch 36.5 Millionen. Der Bevölkerungsrückgang wird  auf absehbare Zeit zunehmen -  selbst wenn weniger Menschen  emigrieren. Denn wie Deutschland weist Polen die geringste Geburtenrate in der EU aus; sie liegt bei jährlich 1.3 Prozent. 2.14 Prozent müßten es sein, um den Bevölkerungsstand zu halten.

Deutschland gleicht den Bevölkerungsschwund weitgehend durch Migration aus, darunter rund 560.000 Polen seit 2004. Noch mehr, nämlich 650.000 der  zeitweise über eine Million Polen nach Großbritannien Emigrierten, wollen erklärtermaßen im Königreich bleiben. Und aus Großbritannien liegen erste verwertbare Statistiken vor: Danach liegt die „polnische Fertilitätsrate“ bei  fast drei Prozent. Rund 30.000 polnische Kinder lernen bereits an britischen Schulen und schlagen Wurzeln. Dass sie später mit ihren ins Rentenalter gekommenen  Eltern nach Polen ziehen, ist wenig wahrscheinlich.

Polen zelebriert sich gern  als Boomland der EU, überhöht dabei aber die volkswirtschaftliche Verhältnismäßigkeit. Ihre Motivation zur Emigration begründen die Willigen mit Enttäuschungen: Zu wenig Verdienst, zu geringe Infrastruktur mit überbordender Bürokratie, sprachlich einseitige Ausbildung in einem Schulsystem, das ihren Kindern nicht den erforderlichen globalen Impetus vermittelt.

Das ist die Kehrseite eines Landes, in dem die Wirtschaft zwar "aufholend" boomt, aber zu viele lieber anderswo auf bessere Chancen setzten.

The WarsawVoice/thenews.pl/Eurostat/ds/26.09.2014
 
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