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Polens Obstbauern ernten deutlich weniger EU-Hilfen Drucken E-Mail
In der polnischen Öffentlichkeit herrscht kein Zweifel daran, dass die russischen Sanktionen eine Retourkutsche für die polnische Position im Ukraine-Konflikt sind. Doch die Sanktionen treffen alle EU-Staaten. Wohl deshalb setzte Polen auf eine geballte europäische Reaktion und  preschte am lautesten voran mit der Forderung  nach schärfsten Sanktionen. Es gibt einen Lehrsatz: “Wenn man in den russischen Wald hineinruft, kommt manchmal ein Bär 'raus. Und dann gibt's Ärger“.
Zunächst aber war Spaß angesagt: „Wischt Putin eins aus – esst Äpfel!“, glossierte  das Wirtschaftsblatt „Puls Biznesu“, die „Gazeta Wyborca“ ließ gratis Äpfel verteilen, und am meitsen geulkt wurde im Internet. Nun ist der Ärger da für die polnischen Obstbauern.

Nach der Wende hatte es EU-Hilfen für sie geregnet.. Robuste, gesunde Sortenvielfalt sollte angebaut werden. Anbaugebiete mit Obstbäumen, deren Sorten nicht in dieses Muster paßten, wurden gerodet.Die EU-Hilfen galten als Anreiz, sich hohe Kredite aufschwatzen zu lassen, um in moderne Maschinen zu investieren. Die Anbauflächen wurden in den vergangenen 15 Jahren um 12 Prozent ausgeweitet. Es kam zu einem Überangebot mit sinkenden Preisen. Schon bald zerbrachen viele kleine Betriebe daran – aber auch große Betriebe ächzen unter der Schuldenlast.

Trotzdem ist Polen heute Europas größter Apfelproduzent mit mehr als drei Millionen Tonnen im Jahr. Zwischen 50 und 65 Prozent der  Apfel-Exporte gingen nach Russland. Damit ist es erstmal vorbei seit dem russischen Importverbot vom 1. August. Plötzlich wurde klar, dass  es keine Ausweichmärkte gibt, zu ausschließlich war man auf  den russischen Absatzmarkt fixiert.

Doch Polen hat mit Landwirtschaftsminister Marek Sawicki einen Mann von echtem Schrot und Korn. Die EU-Partnerstaaten werden sich solidarisch zeigen gegen einen geringen Preisnachlaß, Gespräche laufen schon, gab er kund. Nur wollte keiner der EU-Partner schrille Töne gegen Russland anschlagen, umal  ein Rekorderntejahr bevorsteht und  eine Apfelschwemme erwartet wird. Einzig die großen Discounter-Ketten stelllten Aufkäufe in Aussicht. Nicht um Äpfel zu verkaufen, sondern um sie zu vermosten zu Apfelwein. Mit ihren gebotenen Abnahmepreisen  waren die Gespräche allerdings schnell beendet.

Notfalls könne man die Äpfel auch an Länder in Afrika verschenken, hieß es kurzweilig aus dem Ministerium, doch das kommt auf  keinen Fall in Betracht, korrigierte Sawicki sofort, um nicht Erinnerungen zu wecken, die schon einmal zu einem russischen Importverbot  geführt hatten. Dabei ging es um Fleischprodukte. Polnisches Fleisch wurde  nach Argentinien geliefert, dort als Eigenproduktion umetikettiert – und  nach Russland exportiert .Der Schwindel flog auf.

Sawicki zog eine neue Karte: Er kündigte eine Klage gegen Russland bei der  Welthandelsorganisation WTO an, wurde jedoch schnell zurückgepfiffen von der EU-Kommission. Mit ihr immerhin kam er ins Gespräch und versprach seinen Apfelproduzenten, dass die EU  Verluste aus einem Hilfsfond  kompensiert. 125 Millionen Euro seien beiseite gelegt und Antragsformulare vom Minsterium anzufordern." Brüssel habe den 18. August als Deadline festgelegt.“ Wer keinen Antrag stellt, ist ein Trottel“, bürstete Sawicki Bedenkenträger glatt.

Schon am Abend der Deadline kam schlechte Nachricht aus Brüssel. Die aus Polen eingereichten Anträge hatten sich auf über 150 Millionen addiert – und Brüssel klärte ein vermeintliches Mißverständnis auf. Die bereitgestellten 125 Millionen Euro seien nicht nur polnischen Obstbauern zugedacht, sondern auch anderen der Staatengemeinschaft.

Wegen der überproportionalen Forderungen aus Polen, erklärte die EU-Kommission alle Anträge für null und nichtig. Neue Anträge seien exakt zu präzisieren und nachvollziehbar zu belegen – bis zum 22. Oktober. Gleichzetig erhöhte die Kommission den Hilfsfond auf 165 Millionen Euro – und gab Berechnungsgrundlagen für die neuen Antragstellungen bekannt. Schätungen der Kommission zufolge könnten für Polens Apfelproduzenten etwa 50 Prozent der Gesamthilfe zur Auszahlung kommen – rund 80 Millionen Euro.

Es wird viel weniger sein, wie eine erste Auswertung der eingereichten Unterstützungsanträge offenbart. Danach beläuft sich die Forderung aller von der russischen Sanktion betroffenen EU-Apfelproduzenten auf nur 37 Millionen Euro. Zur drastischen Korrektur nach unten haben die neuen Anträge aus Polen beigetragen. Die Höhe der gesamten Hilfsleistungen gibt die EU-Kommission Anfang Dezember bekannt. Für  Polens Apfelproduzenten werden es kaum mehr als 20 Millionen sein.

Gestern (Dienstag) fand die erste Demonstarion in Warschau statt .Es geht ums Überleben und um die Zukunft unserer Kinder, skandierten Landwirte aus allen Landesteilen, angeführt von den Apfelbauern (Foto).Bis zu 50.000 Arbeitsplätze könnten gefährdet sein.

Vilt.be/Fruchtportal/PAP/ds/05.11.2014
 
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