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Bayern gibt NS-Diebesgut an polnische Diözese zurück Drucken E-Mail
Eine wertvolle Handschrift aus dem 12. Jahrhundert geht aus Bayern zurück in den Besitz der polnischen katholischen Diözese Plock. Wie das Wissenschaftsministerium  am Freitag in München bekanntgab, soll das von den Nazis geraubte "Plocker Pontifikale" am kommenden Mittwoch  in  Anwesenheit des polnischen Außenministers Grzegorz Schetyna an den Bischof von Plock, Piotr Libera, übergeben werden.

Das Plocker Pontifikale ist eine einzigartige Handschrift aus dem 12. Jahrhundert, die zunächst zum Besitz der von Kaiser Otto III. und Papst Silvester II. auf Bitten des polnischen Herzogs Bolislaw I. Chrobry um 1000 errichteten Erzdiözese Gnesen gehört hatte. Mit der Errichtung der Kirchenprovinz Gnesen konnte die katholische Kirche Polens ihre eigenen Traditionen ausprägen. Das Pontifikale diente als Anleitung für das liturgische Wirken des Bischofs. Um 1250 ist das Pontifikale vom Metropolitansitz Gnesen an das Suffraganbistum Plock gegeben worden. Das Pontifikale enthält Texte für die liturgischen Handlungen, die ausschließlich dem Bischof vorbehalten sind. Es dokumentiert die Ausformung der entsprechenden Gebräuche im Bereich der Erzdiözese Gnesen und deren Suffraganbistümer, u.a. Plock, und  bringt für viele Riten, z. B. aus der österlichen Liturgie, den ersten Beleg auf polnischem Boden.

Die Nationalsozialisten hatten die kostbare und einzigartige Handschrift aus der Bibliothek des Priesterseminars der Diözese Plock geraubt. Unter dem Hinweis auf eine falsche Provenienz war sie Anfang der 1970er Jahre von einem Auktionator in Bayern angeboten und von der Bayerischen Staatsbibliothek angekauft worden. Eine liturgiewissenschaftliche Untersuchung hat die Herkunft der Handschrift später ermittelt.

Aufgrund der Hinweise auf die Provenienz gibt nun Bayerns Wissenschaftsminister Spaenle die Handschrift an die katholische Kirche in Polen zurück. Grundlage der Rückgabe ist das Washingtoner Abkommen zur Rückgabe der von den Nazis geraubten Kulturgüter an die rechtmäßigen Besitzer.

Kunstmuseum Bayern/ds/12.04.2015
 
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