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Andrzej Zulawski provoziert nicht mehr Drucken E-Mail
  Der polnische Filemacher  Andrzej Zulawski ist im Alter von 75 Jahren gestorben. Er sei einer Krebserkrankung erlegen, teilte seine Familie am Mittwoch in Warschau mit. Zulawski gehörte zu den Avantgardisten des polnischen Independent-Kinos. In seinen Filmen setzte er schöne Frauen wie Romy Schneider, Isabelle Adjani oder Sophie Marceau in Szene, verführte sie zu obsessiven, von ihm radikal gefilmten erotischen Handlungen. Das brachte ihn mehr als einmal  in Konflikt mit den Jugendschutzbehörden nicht nur in Polen, auch in Deutschland wurden Szenen  aus dem „Porno-Milieu“ ausgeblendet.
 
Seine 1989 verfilmte Oper "Boris Godunow", ein fast zweistündiges Werk, brachte den russischen Stardirigenten Mstislaw Rostropowitsch in wütende Extase. Er hatte den Soundtrack beigesteuert, den Zulawski  im Off dahinsäuseln ließ  unter lustvollem Stöhnen und deutlich vernehmbarem Pinkeln in einen Eimer. Rostropowitsch zog vor Gericht.

Bei seinen in Polen gedrehten Filmen "Der Teufel"  und  „Der Silberne Planet“ fackelte der Kultur-Zensor  nicht lange, unterbrach die Dreharbeiten und drohte an, das gesamte Filmmaterial zu zerstören. Zulawski  ging zurück in seine zweite Heimatstadt Paris.

Posthum wird ihm nun auch Würdigung in Polen zuteil: Er sei ein origineller Künstler gewesen, stets kontrovers, aber immer ehrlich zu sich selbst, erklärte der Präsident des Polnischen Verbands der Filmemacher (SFP), Jacek Bromski,  im polnischen Fernsehen. Sein Tod sei ein großer Verlust für das polnische und internationale Kino, sagte der Filmkritiker Janusz Wroblewski gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Er sei ein provokanter Avantgarde-Künstler gewesen und habe mit vielen polnischen Stereotypen gebrochen.

AFP/culture.pl/ds/17.02.2016
 
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