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Haftbefehl verarmt Milliardär um 400 Mio. Euro Drucken E-Mail
Sie lesen jetzt eine Posse: Kurz vor Ablauf der in Polen geltenden polizeilichen 48-Stundenfrist wurden die drei verhafteten Promis – Ex-Innenminister Kaczmarek, der ehemalige Polizeichef  Konatowski und der Chef der größten staatlichen  Versicherungsgesellschaft PZU  - wieder freigelassen gegen Hinterlegung einer Kaution  mit der Auflage, das Land nicht zu verlassen.

Außer Landes hält sich zurzeit die Person auf, die von der Kaczinsky-Regierung verdächtigt wird, das Land  mit einem „geheimen“ Netzwerk korrupter Aktivitäten überspannt zu haben: Ryszard Krauze, Milliarden schwerer Oligarch, der nach der politischen Wende eines der größten polnischen Finanzimperium aufgebaut hat. Krauze kontrolliert u.a. die   Software-Gruppe Prokom, das Biotech-Unternehmen Bioton und die Erölgesellschaft Petrolinvest, die über  Lizenzen in Kasachstan verfügt. Und er kontrolliert ein mafiöses Netzwerk im Regierunsapparat -  mit entsprechenden Beweisen sei der Haftbehl gegen ihn begründet, deutete Justizminister Ziobro an.  Tags darauf gab sich die regierungsnahe Tageszeitung „Rzeczpospolita“ unter Berufung auf unbekannte Quellen deutlicher informiert: Die drei Verhafteten hätten  in der „Affäre Lepper“ dem Milliardär streng geheime Informationen zugespielt. Dabei sei auch herausgekommen, daß die Regierung abgehört wurde und  die Computer mit Trojanern infiziert waren. Alle Erkenntnisse seien auf Krauze zugelaufen.

Diese Information ist nicht ohne Pikanterie im Zusammenhang mit dem Gerücht, dem zu Folge Kaczinsky´s Partei eine Falle für den geschaßten Agrarminister und Regierungsvize Lepper vorbereitet habe. Lepper, der schon lange aufgehört hat, die gegen ihn erlassenen Haftbefehle  zu zählen, und der sich als einstiger Amateurboxer stets fit genug gefühlt haben soll, die Qualitäten neuer Sekretärinnen nicht am PC zu prüfen, fiel nicht in die Falle. Stattdessen fiel Innenminister Kaczmarek aus dem Amt. Nur er könne Lepper über die gegen ihn geheimst inszenierte Falle  informiert haben, mutmaßt Kaczinsky. Kaszmarek streitet das ab, und Kaczinsky wiederum  bestreitet jegliches Wissen über eine  Fallenstellung. Man habe allerdings festgestellt, daß der gesamte Regierungsapparat infiltriert sei von Ministern und hohen Amtsträgern. die sich auffällig oft mit Krauze-Leuten getroffen haben.

Der Verhaftungs-Coup ging dann jedoch einzig bei Krauze leer aus. Er war nicht da, sondern bräunte sich irgendwo im Mittelmeer auf seiner Jacht. Von dort hat er sich informiert, was los ist gegen ihn in Polen. Am Tag, als es hieß, er stehe zur Verhaftung aus, verlor sein börsennotiertes Imperium rund 400 Millionen Euro. Krauze will nun erst mal seine Erholung im Mittelmeer strecken. Es stehen bald Wahlen an. Krauze erwartet, daß die Kaczinskys  abgewählt werden. „Vorher komme ich nicht nach Polen, um wie ein Verbrecher in Handschellen gedemütigt zu werden“, teilte er der Presse mit.

Polskierradio/reuters/ds/02.09.2007

 
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