Home EU & Polen Ehemaliger Skinhead führt polnischen Sender
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Ehemaliger Skinhead führt polnischen Sender |
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Über den Direktor des öffentlich-rechtlichen Fernsehsender TVP in Polen, Piotr Farfal, schreibt Giorgos Angelopoulos in der Tageszeitung Ta Nea: "Ein ehemaliger Skinhead führt seit sechs Monaten den öffentlichen Fernsehsender Polens und verwandelt ihn schrittweise in eine Bastion der Neonazis. Farfal hat Jura studiert und war in extrem nationalistischen Kreisen aktiv. … Im Jahr 2006 haben ihm die Regierungskoalition der Partei für Recht und Gerechtigkeit (PiS), die Rechtsextremisten und die Laizisten der [Partei] Samoobrona erlaubt, Mitglied des Aufsichtsrats des öffentlich-rechtlichen Fernsehens zu werden. ... Der liberale Ministerpräsident Donald Tusk … versucht, die Extremisten aus dem öffentlichen Fernsehen zu entfernen. Aber Präsident Lech Kaczyński lässt das nicht zu. … Derweil setzen Farfal und seine Gesinnungsgenossen ihre Arbeit fort. Kurz vor den Europawahlen werden zu den besten Sendezeiten Interviews mit Europa-Feinden gezeigt. Der Sender lehnt auch eine Kofinanzierung eines Films über Irena Sendler - eine Polin, die 2.500 Juden gerettet hat - ab."
eurotopics/26.05.2009
euro|topics ist eine Online-Plattform für europäische Themen, die von der Bundeszentrale für politische Bildung herausgegeben wird. Die tägliche Presseschau verweist auf Meinungsartikel aus 28 Ländern Europas (EU plus Schweiz).
Ergänzende Infos:
Piotr Farfal (31) war während seiner Studienjahre Funktionär der offen antisemitischen „Allpolnischen Jugend “, Mitglied der Partei „Nationale Wiedergeburt Polens“ und Autor für rechtsextreme Zeitschriften wie „Front“ und „Szczerbiec“ (dt.: Das Schwert). Als sein politischer Ziehvater gilt Roman Giertych, Gründer der „Allpolnischen Jugend“ und später Bildungsminister in der Kaczynski-Regierung. Giertych ist ein erklärter Gegner Deutschlands und der Europäischen Union, für Homosexuelle schlug er (als Minister) die Einrichtung von Umerziehungslagern vor. Als Koalitionspartner der Kaczynski-Regierung bugsierte der Piotr Farfal in den Vorstand des Staatssenders TVP. Berichte der linksliberalen Gazeta Wyborca veranlassten Farfal, die Zeitung zu verklagen. Im Mai 2008 entschied das Gericht in Warschau, dass er sich die Bezeichnung „Ex-Neonazi“ gefallen lassen müsse.
Der französich-deutsche Kultursender „arte“ hat wegen Farfal seine Kooperation mit dem öffentlichen polnischen Fernsehen eingefroren.
In einem auch auf Englisch im Web veröffentlichten Offenen Brief an die Staatsspitze, die Senatoren und die Abgeordneten des polnischen Parlaments vom 26. März 2009 verlangten polnische Journalisten und Intellektuelle die Abberufung des Intendanten Farfał. Sie warfen ihm darin vor, Gesinnungsgenossen auf Chefposten zu berufen, Zensur auszuüben und Projekte zu implementieren, die dem öffentlichen Programmauftrag zuwiderliefen.
Zum polnischen Nationalfeiertag, dem 3. Mai, wurde von polnischen Filmschaffenden zum Boykott des Senders aufgerufen. Dem Appell schlossen sich Agnieszka Holland und Andrzej Wajda und viele weitere Künstler und Intellektuelle an.
ds/26.05.2009
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