Home Wirtschaft Warschauer Börse plant neuen IPO für Jahresende
|
|
Warschauer Börse plant neuen IPO für Jahresende |
|
|
|
Nach der Kaufabsage der Deutschen Börse peilt die polnische Regierung nun ein IPO der Warschauer Börse (GPW) bis Jahresende an. Ein Mehrheitsanteil von 64 Prozent der Betreibergesellschaft werde voraussichtlich im vierten Quartal am Aktienmarkt verkauft, erklärte Finanzstaatssekretärin Joana Schmid. Von den übrigen Anteilscheinen wolle sich die Regierung in drei bis vier Jahren trennen. Dabei sei nicht auszuschließen, dass eine Konkurrenzbörse eine Beteiligung an dem Handelsplatz in der Hauptstadt erwerbe.
Die polnische Regierung scheiterte mehrmals mit dem Versuch, die GPW zu privatisieren. Neben der Deutschen Börse waren ursprünglich auch die Londoner Börse LSE, NYSE Euronext und Nasdaq OMX von der polnischen Regierung eingeladen worden, Angebote für 51 bis 73,82 Prozent der Anteile abzugeben. Die Bewerbung der Wiener Börse wurde ohne offizielle Begründung abgelehnt. Der wahrscheinliche Grund: Die Warschauer Börse liefert sich seit Jahren einen Kampf um die Dominanz in Zentral- und Osteuropa mit der Börse in Wien. Im harten Bietergefecht um die Prager Börse hatte sie das Nachsehen.
Durchaus überraschend zeigten die umworbenen Börsen nach Einsicht der Unterlagen geringes Interesse. Zuerst stieg die Londoner Börse aus, dann folgten NYSE Euronext und Nasdaq OMX – und das, obwohl sich die Warschauer Börse im Sturm der Finanzkrise standhaft hielt, mehr neue Notierungen verbuchte als alle anderen europäischen Konkurrenten, zudem Polen als einziges EU-Land Wirtschaftswachstum verzeichnete.
Oktober 2009 lag nur noch die Deutsche Börse im Rennen. Zu diesem Zeitpunkt waren 378 Unternehmen mit einem Marktwert von rund 203 Milliarden Euro gelistet. Den Kaufpreis fixierte Polens Schatzminister Grad auf 1,8 Milliarden Zloty bzw. 428 Millionen Euro. Das war der Deutschen Börse zu hoch gegriffen, außerdem gab es Gegenwind von der politischen Opposition, die eine Aussetzung der Verhandlungen forderte im Vertrauen darauf, dass Polen als Wirtschaftstiger weiter Muskeln anlegt.
Ende des Jahres sollen die einst Umworbenen erneut zum Bieter-Stelldichein gebeten werden – wieder mit Ausnahme der Wiener Börse.
finanzmarkt/Reuters/ds/13.04.2010
|
|