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Reich-Ranicki: Ich liebe die polnische Poesie Drucken E-Mail

Im FAZ-Feuilleton beantwortete  Literaturkritiker Marcel Reich -Ranicki  die  „Sonntagsfrage“ des schwedischen Lesers Ulf Andersson „Schätzen Sie den polnischen Poeten und Nobelpreisträger Czesław Miłosz?“

Reich-Ranicki: Ja, ich schätze und bewundere Miłosz - und dies schon während meiner Jugend, und später, nach 1945, erst recht. Aber wer Miłosz rühmt, sollte nicht vergessen, auch seine Übersetzer auf angemessene Weise zu analysieren und zu loben. Nur bin ich selber hierzu bloß in geringem Maße geeignet.

Der Grund ist sehr einfach. Die polnische Poesie kenne ich (alles in allem) verhältnismäßig gut, ja, ich liebe diese Poesie. Die Folge ist: Ich kenne die polnische Lyrik, ohne mich mit den deutschen Übersetzungen polnischer Prosaautoren je gründlich befasst zu haben.

Polnische Kritiker und Journalisten sind mir daher gelegentlich böse, weil sie meine Beurteilung polnischer Gedichte viel höher sehen als die der polnischen Romane und Novellen. Kurz und gut: Ich habe viel Bewunderung für die polnische Lyrik und ein letztlich doch nur ziemlich kritisches und skeptisches Verständnis für die Prosa der Polen. Andere Leser der Polen mögen dies anders empfinden.

FAZ/ds/22.07.2010

 
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