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Das Pilgern ist des Polen Lust Drucken E-Mail

Wilhelm Müller schrieb sich 1818 selbst ein Lied, ließ es von Friedrich Zöllner und Franz Schubert vertonen – und Generationen von Deutschen wanderten nach Müllers Lust durchs Land. Das war einmal. In Polen wird noch heute gewandert und gesungen wie in keinem anderen europäischen Land. Pilgerscharen sind im ganzen Land unterwegs. Zeitlicher Höhepunkt ist der 15. August: Mariä Himmelfahrt. Von den etwa 800 polnischen Pilgerstätten sind 700 Marienwallfahrtsorte. Der bedeutendste ist Jasna Gora in Czestochowa (Tschenstochau), der übers Jahr allein  mehr als vier Millionen Pilger anzieht.

Als Papst Benedikt  XVI letztes Jahr zwar nicht am 15. August, sondern bereits im Mai eine Messe in Tschenstochau hielt, waren über 400.000 Gläubige dabei. Nur wer  nach Tschenstochau gepilgert ist, ist ein echter Pole, sagt ein Sprichwort. Jasna Gora bedeutet soviel wie „heller Berg“, er wurde zum „Heiligen Berg“ der Polen, weil sich dort 1655 für sie ein Wunder vollzogen hatte. Auf dem Berg thront das imposante, aus dem 14. Jahrhundert stammende Paulinerkloster. Das hatten schwedische Truppen 40 Tage lang belagert – bis sie erfolglos abzogen. Den Belagerten war sofort klar, wem sie den wundersamen Abzug  zu verdanken hatten: einem Bildnis im Kloster, das die Heilige Mutter in ungewohnt schwarzem Teint darstellt. Seither ist die „Schwarze Madonna“ als Heiligste unter allen Heiligen von den Polen verehrt.

Heute kommen die meisten Pilger zwar per Bus angereist, doch über 150.000 pilgerten auch 2006 zu Fuß, darunter Zehntausende, die die letzten Meter auf Knien bewältigten. Schweigend, in sich betend, knien sie  die Stufen hoch, um vom Leiden Jesus zu erfahren.

Das zweitbedeutendste Sanktuarium ist dasjenige in Lagiewniki, einem Stadtteil von Krakau. Seitdem Johannes Paul II. im Jahr 2002 die neu gebaute Basilika eingeweiht hat, hat sich die Zahl der Pilger auf zwei Millionen verdoppelt. Mittlerweile zieht Lagiewniki auch  ausländische Pilger aus 89 Ländern als Wallfahrtsstätte an – und steht seit 2006 im Ruf, sich sogar  weltweit zur bedeutendsten Pilgerstätte erhöht zu haben. Doch die Polen pilgern nicht nur zu heimischen Wallfahrtsorten. Schätzungen zufolge ist jeder sechste der jährlich etwa 30 Millionen europäischen Pilger ein Pole. In Polen selbst pilgert statistisch jeder Vierte einen Wallfahrtsort an.

Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit/ds/15.08.2007


 
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