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RZECZPOSPOLITA: Teures Allerheiligen Drucken E-Mail
  Allerheiligen in Polen ist europaweit eine Ausnahmeerscheinung, stellt die Tageszeitung Rzeczpospolita fest. Nirgendwo wird so viel Geld für Grablichter, Grabkerzen, Blumenkränze und Topfblumen ausgegeben. Am besten verkauften sich goldene, rote und weiße Grabkerzen sowie  für die Grabbepflanzung die winterfeste Chrysanteme. Ein Blumentopf kostet umgerechnet von 1 bis 5 Euro.

Die aus Asien (China, Korea, Japan, Russland) stammende Chrysanteme ziert heute europaweit die meisten Gräber. Mythologisch allerdings steht sie für unterschiedlichste Deutungen und Wahrnehmungen:

In Japan ist sie das Symbol des „Tenno“ (Kasier). Sein Thron wird auch als Chrysanthementhron bezeichnet, und der Chrysanthemenorden ist die höchste japanische Auszeichnung.
In China ist sie nach einjähriger Reifung zu Wein gegoren, der aber nur am neunten Tag des neunten Monats seine Wirkung vollendet und dann – wie auch in Japan – wie für ein langes, friedliches und gesundes Leben sorgt.

Die Griechen sahen das etwas anders: Von der Chrysantheme erwarteten sie Abwehrkräfte gegen das Böse, vorsorglich dachten sie auch an ihre Verstorbenen. So landete die in Asien lebensbejahende Chrysamsanteme schützend auf europäischem Todesackern.

2000 Jähre später war die Chrysantheme in Österreich zur Vermarktung angesagt. Unbekannt ist ist, wer der Pflanze zusätzlich den Namen „Boris Becker“ gab und sie topfweise in verschiedenen Preisklassen anbot. Als Werbegag galten die vergleichbar großen Knollen, die der deutsche Tenniscrack Becker als Tennisbälle übers Netz donnerte.

Die Deutschen zogen nach mit Becker-Lizensen auf Chrysantemen in vertraglichen Knollengrößen.

Dabei sind Gräber allerorten nicht mit Rasenteppich bedeckt.

Quelle: RZECZPOSPOLITA/ds/03.11.2018
 
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