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Polen diskutiert Missbrauch durch Priester Drucken E-Mail
Ein polnischer Dokumentarfilm zeigt, wie Opfer sexuellen Missbrauchs durch Priester die Täter mit den Verbrechen konfrontieren. Das zweistündige Video mit dem Titel "Sag es niemandem" wurde per Crowdfunding finanziert und innerhalb von zwei Tagen millionenfach im Internet angesehen. Über die Konsequenzen aus dem Film streiten Europas Kommentatoren.

444 Onlineportal: Wahlkampf offenbart die Gräben
Das regierungskritische ungarische Internetportal 444 ordnet den Film ein in den polnischen Europa-Wahlkampf, in dem die Themen Religion, Kirche und Sexualität große Relevanz haben:

„Die Liberalen finden, dass die Kirche in Polen zu nah an der Macht ist und bei zu vielen Dingen mitredet, während für die Konservativen der katholische Glaube ein wichtiges Element ihrer Identität ist, das um jeden Preis beschützt werden muss. Eines der Hauptwahlversprechen der Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) ist der Schutz eben jener 'traditionellen Werte'. Jarosław Kaczyński, der Anführer der PiS, hat nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters die aufgeheizte Stimmung nach dem Erscheinen des Films genutzt und am Sonntag davon gesprochen, dass die Strafen für Pädophilie erhöht werden müssen.“

RZECZPOSPOLITA: Ein Schrei nach WahrheitPolens Kirche steht in der Pflicht, stellt Polens konservative Tageszeitung klar:

„Die Doku zeichnet kein antiklerikales Bild. Sie ist ein Schrei nach Wahrheit und danach, dass es Folgen geben muss, selbst wenn viele Jahre vergangen sind - nicht nur für die Kinderschänder, sondern auch für die Kirche und die Vorgesetzten der Verbrecher, die nicht reagiert haben. Die Opfer pädophiler Priester verdienen Wahrheit, Reue und Buße der Täter sowie Genugtuung. Sie sind die Verletzten, nicht die Priester. ... Die Kirche muss ihre Mühlen schneller als gewöhnlich in Gang setzen. Weitere Krisen können dazu führen, dass immer noch viele an Gott glauben, aber sich immer weniger mit der Institution Kirche identifizieren können.“

wPolityce: Die Kirche ist das Opfer der Linken
Aus Hass gegen die Kirche werden solche Fälle von der Linken aufgebauscht, kritisiert das nationalistisch ausgerichtete Onlineportal:

„Es geht hier natürlich gar nicht mehr um die reale Schuld der Kirche oder die Sünden der Priester. Denn die Institution Kirche ist heute so stark stigmatisiert und steht so stark im Fokus der Kritik, dass sie für all ihre Schwächen siebenfach bestraft wird. ... Die Kirche reizt, irritiert, verursacht Groll und Hass allein aufgrund der Werte, die sie lehrt und verkündet. Deshalb hat ihr die Linke vor langer Zeit den Krieg erklärt. Solange die Kirche existiert und ihr Glaubensbekenntnis predigt, hat der Mensch eine Wahl: Er kann die Wahrheit in Jesus suchen oder den Schein wählen. Immer mehr Europäer entscheiden sich für Letzteres. Aber in Polen wissen wir noch, dass wir einen anderen Weg gehen können. Wir haben noch eine Alternative. Und dafür hasst die Linke die Kirche in Polen so sehr.“

Quelle: eurotopics Presseschau/bpb/ds/13.05.2019
 
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