Home arrow Panorama arrow Welche Themen muss die EU endlich angehen?
Welche Themen muss die EU endlich angehen? Drucken E-Mail
Die Wahlentscheidung der EU-Bürger in dieser Woche wird nicht vom Thema Migration bestimmt. Dies geht aus einer aktuellen Studie des Thinktanks European Council on Foreign Relations hervor. Stattdessen machen sich die Wähler insbesondere Sorgen um die Wirtschaft und den Aufschwung des Nationalismus, so die Autoren der Studie. Europas Medien liegen aber auch noch ganz andere Themen auf dem Herzen.

Polityka: Bürger sehnen sich nach Geborgenheit
Europas Politik sollte einen bedeutenden gesellschaftlichen Wandel besonders berücksichtigen, findet das liberale Magazin:

„Bis in die 1960er-Jahre befanden sich die westeuropäischen Bürger in einem dichten Netz aus sozialen Bindungen, das ihnen zwar Grenzen setzte, aber Sicherheit gab. ... Die Kirche bot ihnen Rituale und eine spirituelle Entwicklung, die generationsübergreifende Familie schützte den Bürger vor Armut und half ihm bei Krankheit, die Gewerkschaften verteidigten seine wirtschaftlichen Interessen, Volksparteien vertraten seine politischen Interessen. ... Der Zusammenbruch der Schwerindustrie, die Entwicklung der Dienstleistungen und Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt führten zum Verschwinden dieser traditionellen Institutionen. ... Persönlich sind wir unabhängiger geworden, aber wir haben unser Gefühl der Sicherheit und Zugehörigkeit verloren.“

Jyllands-Posten: Klimaschutz statt Agrarsubventionen
Die Agrarsubventionen machen über ein Drittel des EU-Budgets aus, rechnet Dänemarls links-liberale Tageszeitung Jyllands-Posten vor und hofft, dass hier endlich etwas getan wird:

„In der besten aller Welten gibt es keine Staatssubventionen, doch momentan ist nicht zu erwarten, dass die Landwirtschaft ihre völlige Freiheit erlangt. Deshalb ist es lebenswichtig, dass das Agrarland Dänemark bei der Europawahl das Thema Landwirtschaft auf die Tagesordnung setzt. Im Gegensatz zu den französischen Kollegen sind die Dänen nie einer sachlichen Debatte ausgewichen - auch nicht wenn es darum geht, die Subventionen in Bereiche zu verlagern, die in den kommenden Jahrzehnten eher die Tagesordnung bestimmen werden: Klima und Nachhaltigkeit.“

Alternatives Economiques: Europäischer Mindestlohn längst überfällig
Macrons Liste Renaissance will einen europäischen Mindestlohn einführen und auch die SPD macht mit dieser Forderung Wahlkampf. Doch leider bekommt das Thema keinen Schwung, bedauert Michel Husson von Attac in ´Frankreichs linker Monatszeitschrift:

„Die EU-Wahl wäre eine Gelegenheit gewesen, um über einen europäischen Mindestlohn zu diskutieren. ... Es geht nicht um einen absoluten, sondern um einen relativen Wert. Das Ziel ist, eine gemeinsame europäische Sozialnorm festzulegen, die den Gegebenheiten jedes einzelnen Landes angepasst ist. ... Dennoch droht das Projekt nicht in Fahrt zu kommen, auch wenn es nur eine kleine Maßnahme zur Bekämpfung der Ungleichheit innerhalb der EU und der Eurozone wäre. Muss man dies als einen Hinweis auf eine im europäischen Gemeinschaftsprojekt angelegte Unfähigkeit interpretieren, sich von seiner extrem auf Wettbewerb ausgerichteten Logik zu lösen?“

Quelle: eurotopics Presseschau/bpb/ds/22.05.2019
 
< Zurück   Weiter >
(C) 2019 www.polentoday.de
Joomla! is Free Software released under the GNU/GPL License.