Home arrow Panorama arrow Polen: Attacke auf Pride-Premiere in BiaBystok
Polen: Attacke auf Pride-Premiere in BiaBystok Drucken E-Mail
Die erste Gay-Pride in Białystok, im Nordosten Polens, ist von Gewalt überschattet worden. Rechte Gegendemonstranten attackierten die rund 800 Teilnehmer der Parade am Samstag mit Steinen, Böllern und Flaschen. Auch die Einsatzkräfte, die den Umzug absicherten, wurden der Polizei zufolge angegriffen. Kommentatoren drängen insbesondere die polnische Kirche zu einem Umdenken.

SME: LGBT-Minderheit als Sündenbock
Die Gewalt gegen die erste LGBT-Demo in Białystok kam für die liberale slowakische Tageszeitung nicht unerwartet:

„Kirchenvertreter hatten vorab mit Nachdruck 'Nein' gesagt. Zudem gilt die Stadt als Bastion der Regierungspartei PiS. Deren Chef Jarosław Kaczyński hatte zuletzt vor den EU-Wahlen betont, nur seine Partei gebe eine 100-prozentige Garantie für den Schutz polnischer Werte. Homosexuelle bedrohten die polnische Identität und die polnische Nation. ... Die Reaktionen auf den Ausgang der Aktion waren gemischt. Ein Sprecher des Episkopats schrieb zwar, dass Gewalt und Verachtung verurteilt werden müssten. Er fügte aber hinzu, dass die Demonstranten für die Kirche nach wie vor eine tödliche Sünde begingen. ... Es macht nicht den Eindruck, dass Politiker und Bischöfe in naher Zukunft ihre Haltung gegenüber der LGBT-Minderheit ändern werden, die für sie der Sündenbock ist.“

Tygodnik Powszechny: Hass zeugt von der Krise der Kirche

Die Ereignisse von Białystok sind auch ein Zeugnis der Krise der katholischen Kirche in Polen, analysiert Polens katholische Wochenzeitung:

„Um zu verstehen, was in Białystok passiert ist, kann man die zahlreichen Erklärungen von Bischöfen und Priestern nicht ignorieren, die LGBT+ eindeutig auf 'der dunklen Seite der Macht' platzieren: Sie werden dargestellt als eine Bedrohung für die Familie, die Sicherheit von Kindern, den sozialen Frieden, und aller Werte, die den Christen heilig sind. ... In der polnischen Gesellschaft wächst die Aggression und die katholische Kirche tut nichts, um dieses Problem zu lösen. Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem wir uns - tatsächlich im Sinne des Evangeliums - bekehren müssen.“

Quelle: eurotopoics/bpb/ds/24.07.2019
 
< Zurück   Weiter >
(C) 2019 www.polentoday.de
Joomla! is Free Software released under the GNU/GPL License.