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Steht Europa vor einer Rezession? Drucken E-Mail
Der Handelsstreit zwischen den USA und China belastet zunehmend die Wirtschaft in Europa. Besonders bekommen dies deutsche Unternehmen zu spüren: Exporte in die beiden größten Volkswirtschaften der Welt brachen gegenüber dem Vorjahresmonat deutlich ein, viele Unternehmen korrigierten ihre Prognosen für dieses Jahr zuletzt nach unten. Kommentatoren diskutieren, wie dramatisch die Lage wirklich ist.

Rzeczpospolita: Früher oder später wird es uns erwischenDie Rezession wird kommen, sorgt sich Polens konservative Tageszeitung:

„Die schlechten Zahlen der deutschen Industrie werden sich wohl bald negativ auf die Dienstleistungen auswirken. In Polen, dessen Hauptwirtschaftspartner Deutschland ist, ist der Effekt bereits spürbar. Unsere Industrie ist infiziert, ihre Bilanz fällt enttäuschend aus. Anderen europäischen Ländern wird es ebenfalls schlecht gehen. Experten sprechen bereits von einem hohen Risiko einer globalen Rezession. ... Vielleicht fängt die Krise gerade erst an, vielleicht können wir bald eine Besserung erwarten, wenn etwa China ein Abkommen mit Washington schließt. Dann können wir für einen Moment durchatmen. Doch früher oder später wird es uns erwischen. Deshalb ist es besser, wir bereiten uns schon jetzt darauf vor.“

FAZ: Sorgen um Konjunktur sind übertrieben
Dass die wirtschaftliche Situation ein Eingreifen der EZB erfordert, bezweifelt die konservative  Frankfurter Allgemeine Zeitung:

„Tatsächlich trübt sich die Konjunktur ein. ... Doch auch wenn die Konjunktur in Europa sich unbestritten verschlechtert, steht bislang jedenfalls keine fundamentale Rezession ins Haus, und die Abweichung der aktuellen Inflationsrate vom Inflationsziel der Europäischen Zentralbank ist nicht so dramatisch, dass sie eine kräftige geldpolitische Reaktion dringend erforderte. Die Europäische Zentralbank sollte das ruhig abwägen. Immerhin sind die Einlagenzinsen für Banken schon jetzt im Minus, und das letzte Anleihekaufprogramm ist kaum verdaut. Ein umfangreiches Lockerungspaket, wie viele Banken es jetzt von der EZB für September oder Oktober erwarten, will da zumindest wohlüberlegt sein.“

De Volkkskrant: Europas Motor stocktEine wirtschaftliche Krise in Deutschland käme zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt für Europa, warnt die linksliberale niederländische Tageszeitung:

„Die Eurokrise von 2012 konnte noch abgewendet werden durch die Klugheit von EZB-Präsident Draghi. Doch langfristig war das Angela Merkel zu verdanken, die den kräftigen deutschen Motor entschlossen im Griff hatte. Sie konnte einem Land wie Griechenland helfen und einen Grexit verhindern. Damals war Merkel auf dem Höhepunkt ihrer Macht, nun steht sie vor deren Ende. Es droht ein neues Euro-Problem in Südeuropa, da der Rechtspopulist Matteo Salvini denselben Griff zur Macht anstrebt wie damals der linke Populist Alexis Tsipras in Griechenland. ... Falls Deutschland in die Rezession schlittert, wird das Land wenig Lust haben, wieder die Führung in einer Krise zu übernehmen.“
 
 
Quelle: eurotpics Presseschau/bpb/ds/13.08.2019
 
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