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Duda siegt knapp - ist er trotzdem ein Verlierer? Drucken E-Mail
Nach Auszählung fast aller Stimmen hat Andrzej Duda die Präsidentschaftswahlen in Polen gewonnen. Der rechtskonservative Amtsinhaber kommt nach Ergebnissen vom Montagmorgen auf 51,2 Prozent der Stimmen, sein Herausforderer Rafał Trzaskowski, liberaler Bürgermeister von Warschau, auf 48,8 Prozent. Kommentatoren sind überzeugt: Dieses Kopf-an-Kopf-Rennen wird Spuren hinterlassen.

WESTFALEN-BLATT: Gute Nachrichten für die EU.Der Durchmarsch der PiS ist vorerst gestoppt, kommentiert das Westfalen-Blatt erleichtert:

„Der Versuch, die Wahl mitten in der Corona-Pandemie am ursprünglichen Termin im Mai durchzuziehen, weil Duda in den Umfragen so klar führte, erwies sich als dramatischer Fehler. In einer existenziellen Krise fielen Kaczyńskis egozentrische Machtspiele bei den Menschen durch. Die Opposition lebte mit ihrem neuen Kandidaten Rafal Trzaskowski auf. Der Vorgang belegt eindrücklich, dass es in Polen mit seiner langen Tradition der Freiheitskämpfe auch in den nächsten Jahren kein Szenario wie in Ungarn geben wird. Einen quasidiktatorischen Zugriff auf die Macht werden die Menschen nicht erlauben. Das ist auch für die Europäische Union eine kaum zu überschätzende gute Nachricht.“
    
DENIK: Hoffnung auf ein Stück Versöhnung.Tschechiens liberale Tageszeitung  macht erste Anzeichen aus, dass sich die aufgeheizte Stimmung im Land nun beruhigt:

 „Egal, ob der Sieger Duda oder Trzaskowski heißt - er hat nahezu halb Polen gegen sich. Dessen sind sich beide Finalisten der Präsidentschaftswahlen glücklicherweise bewusst. Obwohl das Ergebnis noch nicht bekannt war, schickten sie sich gegenseitig Worte der Anerkennung und einigten sich auf ein Treffen im Präsidentenpalais. Das könnte nach dem hart geführten Wahlkampf ein Signal der Beruhigung sein. Und der Anfang zumindest einer gewissen Aussöhnung. Sollte es dazu kommen, wäre das ein gutes Resultat der bislang spannendsten Wahlen in der Geschichte Polens.“

KRYTYKA POLITYCZNA: Nun wird die PiS aufräumen, äußert sich das linksorientierte Onlineportal pessimistisch.

„Wenn Andrzej Duda letztendlich gewinnt, wird er keine andere Wahl haben, als gemeinsam mit dem Regierungslager das beiseite zu schaffen, was die PiS daran hindert, die volle Macht zu übernehmen und sich für Jahre zu sichern: … Unabhängige Medien, rebellische Lokalpolitiker, NGOs, Richter, Minderheiten und Beamte: Nach der Niederlage der Opposition wird diese nicht nur keinen Schutz in Form des präsidentiellen Vetos gegen repressive Gesetze mehr haben. Sie wird auch symbolisch geschwächt sein. ... Für Optimismus ist es zu spät, die Stimmen sind alle abgegeben. Bereiten wir uns nun mental auf das vor, was kommen wird.“

AZONNALI: Ein letzter Sieg der Ewiggestrigen. Auch wenn Duda nochmals Präsident wird, ist klar geworden, dass die polnische Regierungspartei die Wähler der Zukunft verloren hat, urteilt Ungarns linksorientiertes Onlineporta:

„Trzaskowski ist es gelungen, im gesamten Oppositionslager [von links bis rechts] zu gewinnen. ... Die Zahlen zeigen ganz eindeutig, dass er die große Mehrheit des gebildeten, wohlhabenden, jungen Polens im Rücken hat, während Duda nur noch die Stammwählerbasis der PiS - das ältere, ärmere und ungebildete ländliche Polen - geblieben ist. Diesmal reicht es vielleicht noch für einen Sieg. ... Doch es ist ganz sicher, dass die PiS die Zukunft verloren hat: Sie wird nur noch von den Wählern der Vergangenheit unterstützt - sowohl im ideologischen als auch im biologischen Sinne.“

Weitere Schlagzeilen

Handelsblatt: Polens Wahlausgang ist schlecht für das Land und schlecht für Europa.

Redaktionswerk Deutschland: Duda hält Siegesrede trotz ungewissen Ausgangs.

Neue Westfälische: Ein hauchdünner Unterschied von 0,8 Prozentpunkten - für Polens Fernsehstationen zu wenig, um einen der beiden zum Sieger auszurufen.

Onvista: Ausgang der Präsidentenwahl noch immer ungewiss.

WDR: "Trzaskowski ist der Kennedy der Polen"
Selbst wenn Präsident Duda die polnische Wahl gewinnen werde, habe Kandidat Trzaskowski etwas Unglaubliches geschafft, sagt Publizist Adam Krzeminski. Innerhalb weniger Wochen habe er fast 50 Prozent der Bevölkerung Polens für sich gewinnen können.

EURACTIV: Trzaskowski selbst betonte, er wolle die endgültige Auszählung aller Stimmen abwarten.

SPIEGEL: Im Auftrag seines Meisters (Kaczynski) hat Duda die Wahl gewonnen. Das Staatsoberhaupt ist seine Marionette.

PolskieRadio: Duda dankte am Wahlabend in Pultusk allen Landsleuten für die starke Teilnahme an der Abstimmung. Er gratulierte auch seinem Rivalen Trzaskowski zu dessen Ergebnis. Trzaskowski sagte in Warschau: "Wir haben gesagt, dass es eng wird, und es ist eng. Ich bin aber überzeugt davon, dass wir siegen werden. Nun müssten nur noch die Stimmen genau ausgezählt werden".


Quellen: eurotopics Presseschau/bpb/Agenturen/ds/13.07.2020
 
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