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"Wir verlieren etwas die Kontrolle über die Entwicklung der Epidemie...“ Drucken E-Mail
  Am Donnerstag wurde die letzte DDR-Säule aus Beton an der sächsischen Grenze zu Polen ausgetauscht, am Wochenende dürfte Berlin Polen zum Risikoland erklären mit Verweis auf eine Erklärung von Jakub Zieliński:  "Wir verlieren etwas die Kontrolle über die Entwicklung der Epidemie, in zwei von drei Fällen können wir die Spur nicht zurückverfolgen", gestand der Epidemiologe der Universität Warschau ein. Seit Tagen gehen die Corona-Fallzahlen durch die Decke.

Am Donnerstag wurde mit 4280 Neuinfesktionen der Rekordwert vom Dienstag mit 2200 Fällen um fast das Doppelte übertroffen - und 111.599 Neuinfektionen wurden festgestellt. Die explodierenden Zahlen lassen einen rasanten Anstieg der bislang  landesweiten Todesrate von 2867 Menschen befürchten. Polens Regierung habe die Pandemie nie ernst genug genommen, stattdessen sich gerühmt, sie besser im Griff zu haben, als die meisten Länder, kritisieren nun führende Epidemiologen.

Doch Premierminister Morawiecki will von Trumpscher Gelassenheit nichts wissen.

“Wir haben es heute mit der Zweiten Welle der Pandemie zu tun und werden sie mit gleicher Entschlossenheit und unter Anwendung neuer Erkenntnisse bekämpfen“, sagte er im gestrigen TV-Auftritt. Und sicherte obendrein zu, die Krankenhäuser „binnen Tagen mit  mehreren Tausend“ Betten für COVID-infizierte Patienten  auszustatten.

Den Krankenhäusern indes reicht das bei weitem nicht aus, alarmiert die linksliberale Tageszeitung Gazeta Wyborcza mit Verweis auf die ausgehende Versorgung wichtiger Medikamente wie Remdessivir.

Ursprünglich sei das Medikament im Kampf gegen das Ebola-Virus eingesetzt worden, und  vieles deutete darauf hin, dass es auch auf die Vermehrung des Coronavirus hemmend wirke und somit schweren Krankheitsverläufen vorbeugen könne. Nun würde das Mittel jedoch knapp werden und die Ärzte müssen zunehmend sparsam mit ihm umgehen.

Das bedeute, dass nicht alle, die das Medikament eigentlich bräuchten, es auch erhalten würden, es könne erst eingesetzt werden, wenn sich der Zustand des jeweiligen Patienten stärker verschlechtert habe, was wiederum die Behandlung weniger effektiv mache.

Zudem deute alles darauf hin, dass die Produktion von Remdesivir nicht ausreichend sei, um die Bedürfnisse aller Kranken in der EU in den kommenden Monaten zu decken, schreibt  Gazeta Wyborcza.

So beschränkt sich Morawieckis Aktivplan vorerst darauf, der Bevölkerung zu lasche Bevolgung den Anweisungen der Regierung im Umgang  mit dem Virus vorzuhalten, etwa sich  unmaskiert in zu großen Gruppen aufzuhalten.

Dass die im Juli/August von der Regierung durchgezogene Präsidentsschaftswahl der Verbreitung des Virus zuzätzlich Vorschub geleistet haben könne, erreicht ihn nicht als Kritik.

Ab Sonntag ist ganz Polen als „Gelbe Zone“ erklärt, einschließlich 32 Bezirke und sechs Städte als „Rote Zone“.

Für den 10.  Oktober sind drastisch verschärfte Geldstrafen bei Mißachtung der neuen  Vorschriften angekündigt.
 
Viel los ist vorerst nichts mehr im Nachbarland.


Quellen: The Warsaw Voice, Gazeta Wyborcza/PAP/Agenturen/ds/09.10.2020
 
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