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Abtreibung in Polen: Frauen kämpfen für ihr Recht Drucken E-Mail
Tagelange Proteste in Polen gegen die Verschärfung des Abtreibungsgesetzes haben sich am Mittwoch ausgeweitet: Die Frauenbewegung rief zu einem landesweiten Streik auf und legte in Warschau den Verkehr lahm. Das Verfassungsgericht hatte Schwangerschaftsabbrüche auch bei schweren Fehlbildungen des Fötus für illegal erklärt und damit eines der striktesten Abtreibungsgesetze Europas weiter verschärft. Muss die PiS-Regierung einknicken?

The Guardian: Diese Geister wird Kaczyński nicht mehr los.
Die landesweite Protestbewegung hat PiS-Chef Jarosław Kaczyński auf dem falschen Fuß erwischt, zeigen sich die Autoren Karolina Wigura und Jarosław Kuisz in Großbritanniens linksliberaler Tageszeitung  überzeugt:


„Diesmal geht die populistische Strategie nicht auf. Eine neue politische Bruchlinie wurde geschaffen, und Kaczyński ist nicht in der Lage zu bestimmen, wie die Sache ausgeht, oder die Geister wieder loszuwerden, die er rief. Er hat noch drei Jahre bis zur nächsten Parlamentswahl. Doch Frauen, die zuvor kein Interesse an Parteipolitik gezeigt hatten, sind hell empört und gehen auf die Straße. ... Vor fast 300 Jahren bemerkte Montesquieu, dass ein Despot, der seine Untertanen versklavt, Gefahr läuft, auch sich selbst zu versklaven. Dies ist die Falle, in die der bedrängte Kaczyński nun tappt. ... Und es könnte ihn letztlich auf den Schrotthaufen der polnischen Geschichte befördern.“

Deník: Die Mehrheit schweigt weiter.
Tschechiens liberale Tageszeitung glaubt nicht, dass die Proteste etwas bringen werden:


„Könnte die Verschärfung des Abtreibungsgesetzes gekippt werden? Hat die PiS die imaginäre Schraube zu fest angezogen? Können aktuelle Demonstrationen Polen verändern? Kaum. Diejenigen, die seit einer Woche zu Demonstrationen für Frauenrechte gehen, hoffen darauf, aber es gibt in Polen immer noch eine große schweigende Masse derjenigen, die mit der Politik der Regierungspartei zufrieden sind. Und das ist die Mehrheit, wie all die Wahlergebnisse der letzten Jahre gezeigt haben.“

Gazeta Wyborcza: Frauenrechte gehen über Gesundheit.
Die Journalistin Eliza Michalik verteidigt in Polens linksliberaler Tageszeitung diejenigen, die trotz Pandemie und Ansteckungsgefahr demonstrieren:


„Das haben sie sich nicht so ausgesucht. Sie reagieren einfach auf die Situation, die das von der PiS besetzte Verfassungsgericht mit einem Urteil hervorgerufen hat, das Frauen zwingt, irreversibel beschädigte und deformierte Föten zu gebären. ... Wir Polinnen und Polen haben keine Wahl. Wenn es keine Proteste gibt, wenn wir schweigen, wird dies als Zustimmung zu weiterer Gewalt und Unterdrückung wahrgenommen werden.“

Tages-Anzeiger: Ein globales Schlachtfeld.
Der weibliche Körper wird weltweit noch immer als Austragungsort für ideologische Kämpfe missbraucht, konstatiert der Schweizer linksliberale Tages-Anzeiger:


„Die reklamierte 'Schutzpflicht für das ungeborene Leben' ist immer auch: Entmündigung von Frauen. Bei einer der persönlichsten und schwierigsten Entscheidungen, die eine Frau treffen kann, zählt ihr eigener Wille - nichts. Oberhalb der persönlichen Ebene stehen die Verschärfungen der Abtreibungsgesetze weltweit sinnbildlich für die immer noch ungleich verteilten Machtverhältnisse zwischen Männern und Frauen. Die 'Babyfabriken' von Menschenhändlern in Nigeria, die systematische Vergewaltigung von Jesidinnen oder aktuell die zum Gebären gezwungenen Polinnen - der weibliche Körper ist Austragungsort ideologischer Feldzüge.“

Quelle:eurotopics Presseschau/bpb/ds/29.10.2020
 
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