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Abtreibung in Polen: Frauen kämpfen für ihr Recht Drucken E-Mail
In Polen setzen sich die Proteste gegen die Verschärfung des Abtreibungsgesetzes fort. Rund 100.000 Menschen waren am Freitag in Warschau versammelt und legten den Verkehr lahm. Das Verfassungsgericht hatte Schwangerschaftsabbrüche auch bei schweren Fehlbildungen des Fötus für illegal erklärt und damit eines der striktesten Abtreibungsgesetze Europas weiter verschärft.

Gazeta Wyborcza: Weniger Hass, mehr Verständnis.
Hass und Beleidigungen haben auf den Demos nichts zu suchen, findet der Journalist Dawid Warszawksi in der linksliberalen Tageszeitung:„Bei den Protesten wurde der Slogan 'Verpisst euch!' inmitten des Meeres ergreifender, brillanter und kreativer Parolen manchmal sogar noch weiterentwickelt:


'Ganz Polen singt mit uns: PiS verpiss dich!'. Es ist eine Wunschvorstellung, denn nur die Hälfte Polens singt mit uns. Die andere Hälfte hat PiS gewählt. ... Ich vermute, dass die, die den Slogan singen, die andere Hälfte in Verlegenheit bringen wollen, damit sie ihre Ansichten ändert. Ich vermute jedoch, dass das ihre Ansichten stärken wird. Sie wollen nicht in unserem Polen leben und wir nicht in ihrem. Und da keine Seite gehen will, bleibt nichts anderes übrig, als die andere dazu aufzufordern. Nun, es sei denn, wir reden. Aber wie sollen sie mit uns reden, wenn wir wollen, dass sie sich verpissen?“

Népszava: Kirche hat aufs falsche Pferd gesetzt.
Der große Rückhalt, auf den sich die katholische Kirche in Polen stets stützen konnte, könnte nun verloren gehen, glaubt Ungarns linksorientierte Tageszeitung:


„Die polnische katholische Kirche ist in eine Situation geraten, von wo aus der Weg nur noch in den Niedergang führt. ... Es gibt in der Kirchenführung doch einige, die das Gefühl haben, dass sie einen fatalen Fehler machen, wenn sie diese Entscheidung, die von 70 Prozent der Bevölkerung abgelehnt wird, offen unterstützen. ... Das oberste Gremium der Kirche, die Bischofskonferenz, hat eilig zum Dialog aufgerufen. Jetzt ist es aber schon zu spät. Die Kirche erfährt nun, wohin es führt, wenn sie sich nicht offen von den Extremisten distanziert, die die Religion als Instrument nutzen.“

Adevărul: Auch anderswo haben Frauen Angst.
Auch in Rom, Lissabon und Stockholm fanden Demonstrationen für die polnischen Frauen statt. Diese Solidaritätswelle wundert die Menschenrechtsaktivistin Roxana Dumitrache überhaupt nicht, wie sie in Rumäniens liberal-konservativer Tageszeitung schreibt:


„Die Summe all dieser Ängste gibt es eben, weil Europa zu einem immer klaustrophobischeren Ort für Frauen wird. Ein Europa, in dem Staaten Gender Studies verbieten; wo Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern und Gewalt gegen Frauen weit verbreitet sind; wo Vergewaltigungen moralisch gerechtfertigt werden und die vehementesten Pro-Life-Verfechter die sind, die gar nicht gebären können: Männer. ... Es ist ein Europa, das in die düsteren Zeiten zurückkehren könnte, als Frauen ihr Leben bei Schwangerschaftsabbrüchen in Küchen verloren haben, mit Kleiderbügeln und Stricknadeln.“

Quelle: eurotopics Presseschau/bpb/ds/02.11.2020
 
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