Home arrow Geschichte&Kultur arrow „Deutschland war nie interessiert, Kriegverbrecher zu verfolgen“
„Deutschland war nie interessiert, Kriegverbrecher zu verfolgen“ Drucken E-Mail

  Der „Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust“ am 27. Januar wurde im Jahr 2005 von den Vereinten Nationen zum Gedenken an den Holocaust und den 60. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau eingeführt. Darauf sich beziehend informierte der deutsch-polnische Historiker Bogdan Musial (fOTO) in einem Gespräch mit der staatlichen Pressegnentur PAP über seine Recherchen, wie das Nachkriegsdeutschland (BRD) kriminelle Aktionen von Wehrmachtspersonen strafrechtlich aufgearbeitet habe. Musials Äußerungen fanden große Aufmerksamkeit in den Medien, so auch im 
Onlineportal Polskie Radio 
in deutscher und englischer Version.

Hier Aussagen von Musial:

„Von den etwa 10.000 deutschen Auschwitz-Bewachern sind meinen Ergebnissen nach nur 42 Personen von westdeutschen Gerichten angeklagt worden.  Wir müssen  diese Zahl in Erinnerung behalten“.

„Die Straftäter wurden von  der BRD  geschützt und  sind (namentlich) nie  bekanntgegeben worden“.

“Im Westen weiß man nicht, dass Ausschwitz von Deutschen eingerichtet worden ist, um die polnische Intelligenz zu vernichten.“

Anmerkung: Bogdan Musial (61), in Polen geboren, erhielt 1985  in Deutschland Asyl. Von 2007-2010 war er Mitarbeiter in Warschau  am  Institut für Nationales Gedenken (IPN) und von 2010-2015 Professor an der Kardinal-Stefan-Wyszynski-Universität-Warschau.

Sowohl in  deutschen wie auch polnischen Historikerkreisen ist er umstritten.

In Deutschland sorgte er für erstes Aufregen, als er der vom Reemtsma Institut für Sozialforschung konzipierten Wehrmachtsausstellung eklatante Dokumentenfälschung vorwarf. Unter Hunderten Fotos, die Verbrechen der Wehrmacht dokumentierten, seien 33 der russischen Armee zuzuordnen.

Eine umfangreiche Recherche ergab nur Zweifel an einem Foto, alle übrigen erwiesen sich als echte Dokumente.

In polnischen Historikerkreisen wird ihm Geschichtsklitterung vorgeworfen. Musial bestreitet Kollaboration polnischer Bürger mit der Wehrmacht und  Pogrome an jüdischen Mitbürgern: sie seien nicht oder selten  unter Aufsicht der Wehrmacht geschehen, sondern von der  Roten Armee angeordnet worden.

Die polnische Historikerin Katarzyna Stoklosa sieht seine Veröffentlichungen als Beispiel dafür, wie das Institut für Nationales Gedenken als Arbeitgeber Musiałs mit gezielten Schuldzuweisungen die polnische Geschichtspolitik („bereinigend“) zu beeinflussen  bemüht ist.

Musials historischer Hauptgegner ist Russland.

Damit ist er auf deutschen Talkshows nur kurzweilig ernstgenommen worden. Im Bayerischen Fernsehen wurde er von einem Historiker bespöttelt als Professor ohne Abitur…der sich seine Recherchen zurechtschreibt.

Bedauerlich ist, dass Musials Aussagen  noch so leicht verfangen, als hätte es nie eine historische Aufarbeitung der Nazizeit gegeben, wenn auch erst umfangreich beginnend unter alliierter Besatzung in der BRD und DDR.

Musial weiß, wo er mühelos recherchieren kann, PolskieRadio/Radio Polen, PAP und andere in der Medienlandschaft könnten im Stuhlsitz am PC  an Informationen gelangen.

Über 700.000 kartenvermerkte Nazi-Namen liegen im Nationalarchiv in Ludwigsburg vor, 52.089 Strafverfahren wurden eingeleitet, die Ergebnisse sind nach Urteilsstand aufgelistet.

Die Aufarbeitung begann in der BRD erst Jahre nach Kriegsende, weil das vorhandene Material zunächst  von den Alliierten gesichtet wurde und unzählige Unterlagen erst nach und nach aufgefunden wurden.

Es bestand durchaus eine intensive Aufarbeitung, wie das Nationalarchiv belegt.

Der dritten deutschen Generation nach Kriegsende ist nicht mit dumpfer Geschichtsklitterei geholfen.


Quellen: PAP/Polskie Radio/ Nationalarchiv Ludwigsburg/IDN/ds/29.01.2010


 

 
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