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Mitglied der Kirchenstiftung tritt aus Protest zurück Drucken E-Mail
  Aus Protest gegen das Verhalten von polnischen Bischöfen gegenüber Missbrauchsüberlebenden ist ein Führungsmitglied der Warschauer Kirchenstiftung für Betroffene sexueller Gewalt zurückgetreten. "Vertuschung, Täuschung, Heuchelei und sogar Lügen“ wirft er ihnen vor. Robert Fidura (53, Foto), der als 14-Jähriger von einem Geistlichen missbraucht worden war, gab seinen Sitz im Rat der 2019 von der Bischofskonferenz gegründeten Sankt-Josef-Stiftung auf. Im Interview der polnischen Nachrichtenagentur KAI warf er den Bischöfen "Heuchelei" vor: "Auf der einen Seite spenden sie an die Stiftung", auf der anderen Seite seien ihre Schränke voll mit Leichen.

Fall des Priesters Andrzej Dymer

Fidura verwies auf den Fall des Priesters Andrzej Dymer, der Anfang der 90er Jahre vier Jungen eines Erziehungsheims missbraucht haben soll. Da habe es "25 Jahre Vertuschung, Täuschung und sogar Lügen" gegeben. Er betonte, sein Rücktritt hänge nicht mit der Stiftung oder dem Kinderschutzbeauftragten der Bischofskonferenz, Primas Erzbischof Wojciech Polak, sondern "nur mit der Polnischen Bischofskonferenz" zusammen. Polak sei "fast der einzige Gerechte". Er tue, was er könne.

Das Erzbistum Stettin-Cammin (Szczecin-Kamien) hatte am Mittwoch mitgeteilt, dass Dymer am Dienstag nach einer langen Krebserkrankung im Alter von 58 Jahren gestorben sei.

In seinem Rücktrittsschreiben an den Primas beklagt Fidura, dass der Stettiner Erzbischof Andrzej Dziega, der emeritierte Danziger Erzbischof Slawoj Leszek Glodz und "über 90 Prozent der Bischöfe, ihre Aktivitäten darauf konzentrieren, Untote zu diskreditieren und Hilfe zu torpedieren". Der Journalist Fidura studierte unter anderem zwei Jahre am Priesterseminar in Warschau und unterrichtete 1996/1997 katholische Religion an Schulen.

Stiftung bietet Betroffenen Hilfe an

Die Sankt-Josef-Stiftung bietet Betroffenen von sexualisierter Gewalt durch Geistliche Unterstützung durch Psychologen, Pädagogen, Juristen und Priester. Die Pflicht zur finanziellen Entschädigung der Opfer sieht die Bischofskonferenz dagegen nur bei den Tätern. Es gibt daher keinen kirchlichen Entschädigungsfonds.
Auch Polens Vizeregierungschef Jaroslaw Gowin hatte am Mittwoch die Kirche wegen des Falls Dymer kritisiert. "Skandal ist eine Untertreibung", schrieb er auf Twitter. "Entweder stellt die Kirche endlich die Opfer von Sexualstraftätern an die erste Stelle oder sie wird ihre Glaubwürdigkeit verlieren."

Polens Primas übt Selbstkritik

Selbstkritik übte auch Polens Primas Polak: "Die unerhörte Langwierigkeit der kirchlichen Verfahren im Fall des Pfarrers Andrzej Dymer und das Fehlen einer angemessenen Behandlung der Geschädigten in vielen Stadien dieser Verfahren sind nicht zu rechtfertigen", so der Kinderschutzbeauftragter der Bischofskonferenz. Es tue ihm leid, dass sich die Erwartungen der Geschädigten nicht erfüllt hätten.

Dymer soll Anfang der 90er Jahre vier Jungen eines Erziehungsheims missbraucht haben. Seit 1995 sollen seine Vorgesetzten davon gewusst, ihn aber gedeckt haben. Laut Angaben des Erzbistums Danzig habe das dortige Kirchengericht am 12. Februar ein Urteil verkündet, das nun der vatikanischen Glaubenskongregation und dem Erzbistum Stettin-Cammin zugestellt, aber nicht veröffentlicht werde.


Quellen: domradio/KNA/Foto:Youtube/ds/18.02.2021
 
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