Home arrow Panorama arrow Nato-Gipfel: Gemeinsam gegen China und Russland?
Nato-Gipfel: Gemeinsam gegen China und Russland? Drucken E-Mail
Die Nato-Staaten haben sich auf ihrem Treffen in Brüssel am Montag zum ersten Mal klar zu China positioniert, das in der Abschlusserklärung als systemische Herausforderung beschrieben wird. Das bedeutet aber laut Generalsekretär Jens Stoltenberg nicht, dass China Gegner oder Feind sei. Zu Russland ist zu lesen, sein aggressives Verhalten bedrohe die transatlantische Sicherheit. Europas Presseecho ist gemischt.

wPolityce: Westen hat seinen Vorsprung eingebüßt
Polens regierungsnahes Onlineportal will die Sicherheitspolitik ganz oben auf der politischen Agenda sehen:


„Die aktuelle Situation der Nato-Staaten ist so viel komplizierter als in der Vergangenheit. Denn der technologische Vorsprung, der bisher ein Vorteil des kollektiven Westens gegenüber potenziellen Feinden war, gehört der Vergangenheit an. Die Forschung an neuen Waffentypen, der Einsatz künstlicher Intelligenz für militärische Zwecke oder allgemeiner die bevorstehenden technologischen Durchbrüche im Zusammenhang mit dem Internet der Dinge berauben den Westen seines Vorteils. Und das bedeutet, dass die Grundannahmen der Sicherheitspolitik revidiert werden müssen.“

Zeit Online: Geografischer Schwerpunkt verschiebt sich
Das wichtigste Signal, das von diesem Gipfel ausgeht, ist die Erweiterung des Sicherheitsbegriffs über den nordatlantischen Raum hinaus, analysiert liberale  ZEIT-Onlineportal:

„Die Nato blickt auf die indopazifische Region und will die Zusammenarbeit mit ihren 'Partnern' dort – mit Japan, Südkorea, Australien oder Neuseeland – intensivieren. ... Die meisten europäischen Nato-Staaten dagegen sehen sich nach wie vor eher durch Russland bedroht, die Herausforderung durch China beunruhigt sie weniger. Der Gipfel in Brüssel dürfte ihnen klargemacht haben, dass sich das Zentrum der amerikanischen Außenpolitik endgültig zum Indopazifik verschiebt. … [W]eltpolitisch rückt das traditionelle Nato-Gebiet, von Washington aus betrachtet, mehr und mehr an die Peripherie.“

Público: Die Welt ist nicht mehr unipolar
Eine westliche Allianz gegen China ist anachronistisch, ergänzt Spaniens links-orientiertes Onlineportal:

„[Bidens] Strategie scheint klüger als die seiner Vorgänger. Aber der Grundgedanke bleibt derselbe: die Vorherrschaft der USA in der Welt aufrechtzuerhalten, die nicht mehr unipolar ist. Das ist ein veralteter Ansatz, der mit den Zielen der EU kollidiert, eine eigene unabhängige Außenpolitik aufzubauen. ... Den G7 schwebt ein Geflecht von grünen Handelsbeziehungen vor, das mit der von China anvisierten Neuen Seidenstraße konkurrieren soll. Aber es handelt sich um eine Initiative, der - im Gegensatz zur chinesischen - noch die Ausarbeitung der Details sowie Finanzquellen und eine strategische Ausrichtung fehlen. Viele Bündnispartner Washingtons wollen keinen Plan unterstützen, der sich offen gegen China richtet.“

Les Echos:Europa sollte Anti-Peking-Kurs nicht mittragen
China ist für Europa einfach zu wichtig, meint  das französisch-sprachige librale Wirtshaftsblatt:

„Die kommerzielle und energiepolitische Abhängigkeit sowohl von China als auch von Moskau ist zu groß, um sich blind den amerikanischen Interessen zu beugen - umso weniger, seit Peking im vergangenen Jahr noch vor Washington zum führenden Handelspartner aufgestiegen ist. China ist außerdem unverzichtbar im Kampf gegen den Klimawandel. Die europäische Union hat aufgrund der Größe ihres Marktes - 450 Millionen Einwohner - die Macht, China ein ausgewogeneres Machtgleichgewicht aufzuzwingen. Das ist so schon schwierig genug. Da darf man diese neue Mauer, die Washington zwischen uns und Peking errichten will, ruhig ablehnen.“

La Stampa: Dualer Kalter Krieg
Nun hat die Nato wieder zwei Feinde, analysiert Italiens liberale Tageszeitung:

„Dialektische Balanceakte mildern den Ton des Abschlusskommuniqués ein wenig, doch ändern sie nichts an der Substanz: Russland und China sind 'systemische Rivalen'. … Um den beiden Autokratien gegenüberzutreten - eine Definition, die auch auf dem G7-Gipfel in Cornwall, der als Vorspeise zum Nato-Gipfel fungierte, durchgesetzt wurde -, wird ein duales Schema erforderlich sein. Es legt die 'Doktrin des Krieges, der an zwei Fronten gleichzeitig geführt wird' - die amerikanische Säule des Kalten Krieges - neu auf und passt sie an die Zeit und die zur Verfügung stehenden Mittel an.“

Quelle: eurotopics Presseschau/bpb/ds/15.06.2021
 
< Zurück   Weiter >
(C) 2021 www.polentoday.de
Joomla! is Free Software released under the GNU/GPL License.