Home arrow Wirtschaft arrow Wirtschaft 2007/08
Wirtschaft 2007/08 Drucken E-Mail

Polens Stellung in der Weltwirtschaft

Polens  Bedeutung und sein Anteil an der Weltwirtschaft wachsen in der letzten Zeit bemerkenswert schnell. Die Dynamik des Bruttoinlandsprodukts spiegelt dieses Wachstum am deutlichsten wider.

Seit Beginn des Transformationsprozesses, der sich auf dem Wirtschaftssektor erst mit der Amtszeit der Regierung Miller positiv auswirkte, ist das in Dollar ausgedrückte Volumen des polnischen BIP  um mehr als  das Fünffache gestiegen. 1990 betrug es ca. 59 Mrd. US-Dollar (in jeweiligen Preisen nach dem offiziellen Währungskurs), 2005 überschritt es das Niveau von 303 Mrd. Dollar. Damit erreichte Polen  unter den Ländern mit dem größten BIP-Volumen – die 21. Stelle weltweit und die 11. Stelle europaweit. 2006 stieg das Bruttoinlandsprodukt bereits auf mehr als 320 Mrd. US-Dollar. Die rasante Entwicklung setzte sich auch 2007 fort mit  6,5 Prozent BIP-Wachstum.

Bedeutende Wirtschaftszweige

Polen wird zu den weltweit führenden Produzenten verschiedener Industriewaren, sowohl hinsichtlich der Hauptrohstoffe, als auch der verarbeiteten Erzeugnisse, gezählt.

Unter die ersten Zehn gehört es gemessen am Produktionsvolumen von raffiniertem Kupfer, Schwefel, Stein- und Braunkohle sowie von Fernsehern.
Unter den ersten Zwanzig in der Produktion von Schwefelsäure, Rohstahl und Elektroenergie.

Spitzenpositionen im Agrar- und Lebensmittelbereich

Beim Roggenanbau erreicht Polen die höchsten Erträge weltweit und deckt damit ca. ein Viertel der gesamten Weltproduktion ab. Im Hafer-, Kartoffel-, Zuckerrübenanbau und in der Schweinezucht gehört Polen seit Jahren zu den zehn größten Produzenten. Unter den ersten Zwanzig befindet es sich in der Produktion von Gerste, Weizen, Zucker, Fleisch, Kuhmilch und Hühnereiern.

2005 schloss Polen mit einem Anteil von 0,9 Prozent an der gesamten Warenausfuhr an die ersten 30 führenden Weltexporteure auf und erreichte  die 21. Position. Bei den Importen befindet sich Polen schon seit Jahren in der Vordergruppe: 2005 lag es an 19. Stelle im Hinblick auf die Größe seines Importmarktes - mit ein Prozent Anteil an den Weltimporten.

Die wachsende Bedeutung Polens auf den internationalen Märkten ist eine Folge der hohen Dynamik der polnischen Außenhandels-umsätze, die deutlich über der des Welthandels liegt.
 
In den Jahren 1990-2005 betrug das durchschnittliche Wachstumstempo des polnischen Warenexports über 10 Prozent jährlich und des Imports – 15 Prozent, während das Welthandelsvolumen im gleichen Zeitraum nur um etwa sechs  Prozent jährlich zunahm. Auch 2006 wuchs das Umsatzvolumen des polnischen Außenhandels (Export – um 16,1 Prozent, Import – um 16,6 Prozent) deutlich schneller als die Umsätze des Welthandels. 2006 hat der Gesamtwert der polnischen Exporte mit 109,6 Mrd. USD erstmalig die Marke von 100 Mrd. US-Dollar überschritten, während sich der Gesamtwert seiner Importe auf 125,6 Mrd. US-Dollar belaufen hat.

Höchste ausländische Direktinvestitionen in MOE

Zur Dynamisierung des polnischen Außenhandelsvolumens tragen in einem hohen Maße die in Polen aktiven Gesellschaften mit Beteiligung  ausländischen Kapitals bei. Polen bleibt einer der Hauptempfänger ausländischer Direktinvestitionen in Mittel- und Osteuropa (MOE) und liegt bei dem Gesamtinvestitionsvolumen an der Spitze. Infolge des Beitritts zur Europäischen Union hat Polen als Standort für Investitionen zusätzlich an Attraktivität gewonnen.

Die Investitionsanreize sind in Polen in erster Linie ein großer und aufnahmefähiger Inlandsmarkt, günstige Perspektiven für eine dynamische Wirtschaftsentwicklung, wettbewerbsfähige Bedingungen für die gewerbliche Aktivität – relativ niedrige Arbeitskosten, hoch qualifizierte Arbeitskräfte, sowie eine für die Logistik und die Entwicklung der Zusammenarbeit mit den östlichen Märkten – Russland, der Ukraine und anderen GUS-Ländern – vorteilhafte geographische Lage.


EU-Strukturfond, Kohäsionsfond, NSRO

Die EU-Mitgliedschaft bedeutet für Polen auch die Möglichkeit einer finanziellen Hilfe aus den EU-Fonds (den Strukturfonds und dem Kohäsionsfonds). In der Finanzperspektive 2004-2006 waren diese Mittel u.a. für die Modernisierung der Landwirtschaft und der Infrastruktur, für die Regionalentwicklung sowie für die Förderung der kleinen und mittleren Unternehmen bestimmt. Eine zusätzliche Finanzierungsquelle aus der EU waren die sog. gemeinschaftlichen Initiativen, die der Förderung der EU als Ganzes und nicht der Förderung von den einzelnen Regionen dienen. Dazu gehörten die Initiativen INTERREG (interregionale Zusammenarbeit), URBAN (Revitalisierung der von der strukturellen Arbeitslosigkeit betroffenen städtischen Gebiete), LEADER+ (Förderung der Entwicklung der ländlichen Räume) und EQUAL (Ausgleichen der Chancen auf dem Arbeitsmarkt).

Für die neue Haushaltsperiode der Jahre 2007-2013 wurde auf die o.g. gemeinschaftlichen Initiativen verzichtet (sie wurden in den Kohärenzfonds einbezogen), während die Finanzierung der Entwicklung von ländlichen Gebieten und dem Fischfangsektor außerhalb der Kohärenzpolitik erfolgt.
In dieser Periode wird sich der Wert von Mitteln aus den EU-Fonds, die in Polen in Anspruch genommen werden können, auf über 67 Mrd. Euro, gegenüber knapp 13 Mrd. Euro in den Jahren 2004-2006, belaufen. In den Jahren 2007-2013 sollen fast 20 Prozent der gesamten für die Kohärenzpolitik bestimmten EU-Fonds auf Polen entfallen. Das strategische Ziel des NSRO besteht darin, die Bedingungen für die Entwicklung der Wettbewerbsfähigkeit der wissensorientierten Wirtschaft in Polen und des Unternehmertums zu schaffen, die die Beschäftigungszunahme sowie Steigerung des Niveaus der sozialen, wirtschaftlichen und räumlichen Kohärenz Polens auf der nationalen Ebene wie auch im Rahmen der Europäischen Union gewährleisten. Erreicht wird das Ziel durch die Umsetzung von ausführlichen horizontalen Zielen, die aus den Herausforderungen der Lissabon-Strategie, den Strategischen Richtlinien der Gemeinschaft sowie aus Schlüssen aus der Analyse von Schwächen und Stärken der polnischen Wirtschaft, ihrer Chancen und Gefährdungen hervorgehen. Die detaillierten Ziele des NSRO umfassen:

http://www.vqb.de/qognowicka.pdf

_
Für die Umsetzung des NSRO in den Jahren 2007-2013 wurden ca. 85,6 Mrd. Euro (bezogen auf Preise von 2006) bestimmt. Davon entfallen 67,3 Mrd. Euro auf den EU - Haushalt (aus den Strukturfonds und dem Kohärenzfonds), 11,9 Mrd. Euro auf die polnischen öffentlichen Mittel sowie schätzungsweise rund 6,4 Mrd. Euro auf die Privatunternehmen. Bis zum Jahr 2015 werden durchschnittlich circa 9,5 Mrd. Euro pro Jahr in Anspruch genommen, was dem Wert von etwa 5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts entspricht. Über 66 Prozent der Mittel wurden für die Umsetzung der Ziele der Lissabon-Strategie bestimmt. Vorhaben, die aus dem Haushalt der Kohärenzpolitik finanziert werden, werden zusätzlich mit einer Einlage aus Mitteln der Gemeinschaftlichen Landwirtschaftspolitik und der Gemeinschaftlichen Fischereipolitik in Höhe von ca. 12,4 Mrd. Euro ergänzt. Auf der Ebene des Nationalen Strategischen Bezugsrahmens ist die Realisierung von 6 Sektor-Operationsprogrammen, die vom Ministerium für die Regionalentwicklung verwaltet werden, sowie von 16 regionalen Operationsprogrammen, die von den Woiwodschafts-Selbstverwaltungen verwaltet werden, vorgesehen.

In Bezug auf die wirtschaftliche Dynamik gehört Polen zu den sich am schnellsten entwickelnden EU-Mitgliedsländern und baut demzufolge seine Position in der Europäischen Union aus.

Nach Angaben der Europäischen Kommission stieg das Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner in Polen von 44,6 Prozent des EU-Durchschnitts (25 Staaten) im Jahr 1997 auf 51,3 Prozent (circa 53 Prozent des EU-Durchschnitts für 27 Staaten) im Jahr 2006. Das BIP-Wachstum soll ebenfalls im Jahr 2008 weiterhin um 6 Prozent betragen. Über eine hohe Wachstumsdynamik wird die inländische Konsum- und Investitionsnachfrage in erster Linie entscheiden. Angesichts des Beschäftigungszuwachses und der Steigerung von den Einkünften ist die Nachfrage nach Konsumgütern hoch und wächst weiterhin schnell. Die Zuwachsrate im individuellen Verbrauch erhöhte sich von 2 Prozent im Jahr 2005 auf 5,2 Prozent im Jahr 2006. Besonders bemerkenswert ist eine große Belebung der Investitionsaktivität, die seit dem 2. Halbjahr 2005 beobachtet wird. Das Volumen der Investitionsaufwendungen ist 2006 um 16,5 Prozent gestiegen (2005 waren es 6,5 Prozent). Die Grundlage für die Ankurbelung der Investitionsaktivität ist ein wachsender Optimismus von Unternehmen, der mit einer starken Binnennachfrage und mit günstigen Perspektiven für den weiteren Exportzuwachs verbunden ist. Die gute ökonomisch-finanzielle Lage der meisten Firmen, Zugäng- lichkeit von Bankkrediten sowie wachsender Zustrom von den EU-Fördermitteln erleichtern zusätzlich die Finanzierung von Investitionen.
Angesichts der günstigen Ergebnisse des I. Halbjahres wird geschätzt, dass das BIP 2007 wiederholt um über 6 Prozent steigen könnte. Ein besonders schnelles Wachstum der polnischen Wirtschaft 2007 wird von der OECD vorgesehen (6,7 Prozent laut Prognose vom Juni 2007).

Handelsbilanzsaldo

Ein Defizit im Handelsverkehr ist etwas Übliches im Falle eines sich schnell
entwickelnden Landes, welches dabei einen bedeutenden Zufluss von ausländischen Direktinvestitionen verzeichnet. Die Finanzierung dieses Defizits stellt angesichts der gegenwärtigen Lage Polens keine größere Schwierigkeit dar. 2006 z.B. betrug das Defizit des Warenverkehrs in der Zahlungsbilanz 5 Mrd. USD. Im selben Jahr erreichte der Handelsbilanz-Überschuss bei Dienstleistungen beinahe 2,2 Mrd. USD, bei Transfer-
Zahlungen sogar 8,2 Mrd. USD. Zufluss der ausländischen Direktinvestitionen nach Polen erreichte 2006 den Rekordwert von 13,9 Mrd. USD (brutto).

Ausländische Direktinvestitionen (FDI)

Die Zeit eines schwächeren Zustroms von ausländischen Direktinvestitionen (die Jahre 2001-2003), die  mit dem Auslaufen der Hauptphase von den Privatisierungsprozessen und in der Folge auch mit einer wesentlichen Abschwächung der Bedeutung von Privatisierung als eines Ansporns für Direktinvestitionen verbunden war, ist für Polen mittlerweile vorüber. Die Privatisierungsinvestitionen wurden durch zahlreiche neue Projekte vom Typ Greenfield und insbesondere durch
die Re-Investitionen der von den in Polen tätigen Firmen mit ausländischem Kapital erzielten Gewinne erfolgreich ersetzt. Die letztgenannte Entwicklung ist neu, indem die in den Jahren 1990-1997 reinvestierten Gewinne relativ gering ausfielen und in den Jahren 1998-2003 gar einen negativen Wert aufwiesen. Seit 2004 stellten sie unterdessen in den einzelnen Jahren 36-51 Prozent des gesamten Zustroms von den ausländischen Direktinvestitionen (2006 waren es 40,4 Prozent) dar.

Die meisten der ausländischen Direktinvestitionen in Polen stammen aus den EU-Mitgliedsländern, hauptsächlich aus Deutschland, Großbritannien, Spanien und Frankreich. Der Anteil von den EU-Investoren wurde von der Polnischen Nationalbank 2006 auf 82,7 Prozent geschätzt. Unter den Investoren von außerhalb der Europäischen Union hatten Firmen aus der Schweiz, Südkorea, Japan und den USA die größte Bedeutung.

Eine immer größere Rolle spielen in der polnischen Wirtschaft Unternehmen mit ausländischem Kapitalanteil. Laut Angaben vom Ende 2004 bildeten sie 15,3 Prozent der Gesamtzahl von Unternehmen, die zehn oder mehr Personen beschäftigten. Auf diese Unternehmen entfielen knapp 25 Prozent der Gesamtbeschäftigung in dieser Gruppe sowie 37 Prozent deren Anlagevermögens. Ihr Anteil am Gewinn aus der gesamten Aktivität betrug 2004 42 Prozent, an den Investitionsaufwendungen für Anlagevermögen 52 Prozent und am Gesamtexport 57 Prozent. In den Wirtschaftsbereichen, die für ausländische Investoren besonders attraktiv sind – wie die industrielle Verarbeitung, Handel und Reparaturen sowie Transport, Lagerwirtschaft und Fernmeldewesen – konzentrieren Firmen mit ausländischem Kapital bereits über die Hälfte des Anlagevermögens und entscheiden über den gesamten Stand der Investitions-, Produktions- oder Dienstleistungsaktivität
 
Unternehmen mit ausländischem Kapital bilden den Hauptantrieb für den Strukturwandel in Bereichen der industriellen Produktion und des Exports, hin zu einem höheren Anteil an den technologisch fortgeschritteneren Erzeugnissen.

Der Anteil an den Medium-High-Technology-Produkten stieg im Export in den Jahren 1995-2004 beinahe auf das Doppelte – von 30 auf 56 Prozent; ähnlich war die Tendenz in Bezug auf den Anteil dieser Erzeugnisse an der verkauften Produktion der Unternehmen mit ausländischem Kapital. Auf diese Weise beginnen der Zuwachs von den ausländischen Direktinvestitionen in Polen und die Aktivität der Firmen mit ausländischem Kapital auf die Dynamik der Entwicklungsprozesse im polnischen Export und in der polnischen Wirtschaft Einfluss zu nehmen.

Eine Chance für den künftigen bedeutenden Zustrom von ausländischen Direktinvestitionen bildet eine positive Bewertung Polens als Investitionsstandort, die von verschiedenen ausländischen Instituten geäußert wird. So beispielsweise belegt Polen im Hinblick auf seine Attraktivität für die ausländischen Investoren laut einem Bericht der Firma Ernst & Young von Mitte 2007 weltweit den siebten Rang.

Unter den Faktoren, die über das Engagement ausländischer Investoren in Polen entscheiden, haben die Größe des Marktes, die Arbeitskosten und die Perspektiven des Wirtschaftswachstums die größte Bedeutung. Immer mehr an Gewicht gewinnen außerdem die hohen Qualifikationen der polnischen Arbeitnehmer. Im Studienjahr 2006/2007 wurden an den polnischen Hochschulen sowie Fortbildungsschulen nach dem Lyzeumsabschluss 2,27 Mio. Studenten, somit 595 pro 10 Tsd. Einwohner Polens ausgebildet. Das ist mehr als in den anderen Mitgliedstaaten der Europäischen Union. Die Rate der jungen Leute mit Hochschulabschluss nimmt in Polen ständig zu und verstärkt das Potential an hoch qualifiziertem Personal, das für die wirtschaftliche Entwicklung, mitunter von den ausländischen Investoren, benötigt wird. Diese Tatsache spiegelt sich im wachsenden Zustrom von ausländischen Investitionen wider, die ein hoch qualifiziertes Personal erfordern und bei denen externe Firmen mit den damit verbundenen Dienstleistungen (offshoring) durch die Schaffung von den Forschungs- und Entwicklungszentren, IT-Technologien und Zentren für die Betreuung von den Geschäftsprozessen beauftragt werden. Laut der Polnischen Agentur für Information und Ausländische Investitionen (PAIiIZ) sind in Polen zur Zeit ca. 90 solche von den ausländischen Investoren gegründete Zentren tätig, welche über 14 Tsd. Arbeitnehmer beschäftigen.

Quelle: Ministerium für Wirtschaft – www.ibrkk.pl

                 

                     

               

           

 
(C) 2017 www.polentoday.de
Joomla! is Free Software released under the GNU/GPL License.