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Wie Engländer, Franzosen, Italiener oder wir Deutsche pflegen auch Polen nationale Eigenschaften. Polen-today gibt Ihnen wichtige Tipps.

Begrüßung

Die Polen begrüßen sich gern. Wem als Ausländer die Begrüßungsformel „czesc“ zu schwer über die Lippen kommt, der  kommt auch mit einem „Hallo“ zurecht. Üblicherweise wird die Person, mit der man verabredet ist, mit Handschlag begrüßt.

Das Küssen beim Begrüßen ist kein Zeichen von Liebe, sondern Ausdruck der Vertrautheit. Im Übrigen ist der Begrüßungskuss in Wirklichkeit nur ein zartes Berühren der Wangen.

Worte und Gesten

Englisch ist die Fremdsprache No. 1 in Polen. Dessen ungeachtet lieben es die Polen, Ausländern  ihr  zungenbrecherisches Kauderwelsch beizubringen. Häufig wird dieser Satz zum Nachsprechen angeboten: „W Szczebrzeszynie chrzaszcz brzni w trzcinie“ („In (der Ortschaft) Szczebrzeszyn brummt ein Käfer im Schilf“. Ausgesprochen sollte es so klingen: F Schtschebscheschünnje chschonschtsch bschmi f tschtchinje. Weil selbst Polen sich an diesem Sinn gebenden Satz die Zunge brechen, dürfte die Stimmung schnell aufgelockert sein.

Anrede

Achten Sie unbedingt auf die Anrede Frau ( Pani)  oder Herr (Pan). Die Beschränkung der Anrede auf Titel wie Direktor XY oder der Berufe wie Kellner, Fahrer oder Kassiererin wird als unhöflich empfunden. Noch schlimmer klingt es, wenn man jemanden mit dem Nachnamen ruft. „Herr Kowalski“ erwartet als Pan Kowalski angesprochen zu werden. In letzter Zeit hat sich aber auch die Verbindung von Pani/Pan mit dem Vornamen verbreitet. Wenn Sie Ihren polnischen Partner bereits kennen, genügt als höfliche Anrede Pani Beato (Frau Beate) oder Pan Jacku (Herr Jacek).

Namenstag nicht vergessen! Siehe: Segenreicher Namenstag.

Komplimente für die Dame

Der Handkuss kommt zwar langsam aus der Mode, aber wenn angeboten, sollten Sie Ihre rechte Hand graziös und mit der Innenfläche zum Boden leicht nach vorn strecken. Es gehört zur Höflichkeit, einer Dame an der Tür den Vortritt zu lassen und ihr mit Komplimenten Achtung zu bedeuten  „Was für eine schöne Frisur!“... und/oder wie “Ihr Kleid sieht sehr elegant aus!“

Die Familie geht über alles

Wie Meinungsumfragen seit Jahren zeigen, ist den Polen von allen Werten ein harmonisches Familienleben am wichtigsten. Mit seiner Scheidungsrate liegt Polen im Europavergleich weit hinten, was mit Sicherheit auf die große Bedeutung der Religion im Leben der Polen zu tun hat. Aber nicht nur damit. Den Polen ist ein harmonisches Familienleben mehr wert als Geld und ihre berufliche Stellung. Im Gespräch mit ihnen kann man den Eindruck gewinnen, dass die polnische Familie ungewöhnlich groß ist. Das aber wäre ein großer Irrtum. In der Alltagssprache sagt man auch zur Schwägerin und Cousine Schwester, nennt den Cousin Bruder und bezeichnet Onkel und Tante als Freunde des Hauses. Das häufigste Familienmodell ist noch 2 + 2 (Kinder) mit einem statistischen Trend zum 2 + 1.5. Proportional zum Rückgang des natürlichen Wachstums steigt die Zahl der vierbeinigen Haushaltsmitglieder. Man findet kaum noch einen Haushalt ohne Hund, Katze, Schildkröte, Kaninchen, Dackel oder weiße Maus.

Freizeit

Eine gute Empfehlung sind die Theater und Konzertsäle. Doch Vorsicht! – die Polen betrachten z.B. einen Theaterbesuch als außergewöhnliches Ereignis, weshalb sie sich dafür  elegant kleiden, sofern es sich nicht um ein Avantgarde-Theater handelt. Wer nicht unangenehm auffallen will, sollte besser nicht im T-Shirt und in zerrissenen Jeans ins Theater kommen.

Diät-Kost hoch im Kurs

Viele  Polen kochen das Mittagessen zu Hause. Sie sagen, man könne kein Restaurant mit dem vergleichen, war ihren Händen gelingt. Wie aus Statistiken hervorgeht, sind die Polinnen ständig beim Abnehmen, weshalb sie vor dem Auftragen der Speisen gern über ihre Diät erzählen. Dabei sollte man ihnen freundlich zuhören, nicken und geduldig auf die von ihnen zubereiteten Delikatessen warten. Abnehmen bedeutet im polnischen Verständnis nicht etwa, dass man am Essen spart. Das Frühstück ist recht opulent. Das Mittagbrot wird gewöhnlich nach der Heimkehr von der Arbeit gegessen und ist noch deftiger. Nur das Abendbrot ist etwas bescheidener – vorausgesetzt, dass keine Gäste eingeladen sind. Dann nämlich gilt das Prinzip, dass sich die Gäste von allen Lebensmitteln bedienen können, die aufgetragen sind.

Reich gedeckter Tisch bei den meisten

In Frankreich kann man nicht alle Käsesorten aufzählen und in Polen nicht das, was es an Würsten und Aufschnitt gibt. In letzter Zeit hat sich unter den Fleisch essenden Polen das Grillen zu einer modernen Form des Festmahls entwickelt. Fleisch wird fast überall gebraten – auf dem Wochenendgrundstück, im Garten, auf dem Rasen vor dem Haus und manchmal auf dem Balkon. Besondere Anlässe, z. B.  wenn ein ausländischer Gast zu Besuch kommt, erfordern jedoch die Vorbereitung aufwendiger Gerichte, die man nirgendwo anders findet. Nach Polen zu kommen, ohne das aus Sauerkraut, Kohl und das aus verschiedenen Sorten gehackten Fleisches zubereitete Bigos zu kosten, wäre wie ein Paris-Besuch ohne Eiffelturm-Besteigung. Einst war Bigos ein Gericht der Jäger, das man nach der Jagd reichte.

Trinksprüche auf das Wohl der Gäste

Bier ist den Polen lieber als reiner Alkohol. Man braucht als Ausländer nicht mehr zu befürchten, auf seine Standfestigkeit gegenüber hochprozentigem Wodka geprüft zu werden. Auf Partys dominieren Wein und Cocktails. Und wenn man bei Bekannten zu Besuch ist, kann man ruhig darum bitten, den Wodka mit Orangensaft oder Cola zu verdünnen. Auch wird nicht mehr als komisch empfunden, wenn jemand höflich jeglichen Genuss von Alkohol ablehnt. Wenn man sich aber doch dafür entscheidet, sollte man sich auf Toaste vorbereiten. Der erste kommt gewöhnlich vom Gastgeber: „Auf die Gesundheit meiner Gäste“. Dann toasten die Gäste auf den Gastgeber – und schnell folgt ein Trinkspruch dem andern.

Tipp: Als der 79jährige Konrad Adenauer 1955 in Moskau verhandelte, wechselten sich Trinksprüche und  angedrohte Abbrüche der Verhandlungen ab. Am Ende soll Adenauer mit größter Standfestigkeit beeindruckt haben. Das Rezept gab sein Hausarzt Jahre später bekannt: Ein Löffel Olivenöl vor jeder Verhandlungsrunde  entzog dem Wodka seine hochprozentige Wirkung.

Die Nationalgetränke der Polen sind allerdings keine Drinks, sondern Tee und Kaffee. Kaum hat man als Gast  die Türschwelle überschritten, wird Tee oder Kaffee angeboten.. Es gibt zwar gefilterten Kaffee, viele Traditionalisten übergießen jedoch die gemahlene Bohne mit kochendem Wasser. Tee wird mit Zucker und Zitrone gereicht. Meist im Glas.

„Gast im Haus, Gott im Haus“

Wenn man am Tisch sitzt, sollte man die Gastgeber für den herrlichen Empfang loben. Die Polen sind davon überzeugt, dass sie zu den außergewöhnlich gastfreundlichen Nationen gehören. Und sie lieben es, darin bestätigt zu werden. Das kommt nicht von ungefähr. In der Vergangenheit pflegten ihre Vorfahren zu sagen: „Gast im Haus, Gott im Haus“, was bedeutet, dass man dem Gast nur das Beste anbieten soll. Wenn das Beste gerade fehlte, wich man auf die nächste Maxime aus: „Nobel geht die Welt zugrunde“. So passierte es, dass man sich für die Bewirtung Schulden auflud, an denen man noch Jahre zahlte. Das Verlangen, den Gast glücklich zu machen, besteht bis heute – wenngleich mit vergleichsweise bescheidenerem Aufgebot.


Quelle: polen.gov.pl / ds

 
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