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Heiliger Papst? Drucken E-Mail

Über 90 Prozent der Polen sind katholisch und einer Umfrage zufolge davon überzeugt, dass   Paul Johannes II als erstem polnischen Papst die Insignien der Selig-, wenn nicht gar Heiligsprechung gebühren. Nicht etwa, weil er als erster nichtitalienischer Papst seit 1523 zum Kirchenhaupt gewählt wurde und das zweitlängste Pontifikat in der fast 2000-jährigen Papstgeschichte erreichte. Auch nicht, weil er in seiner Amtszeit mit 480 Heilig- und 1.314 Seligsprechungen einen Rekord aufstellte. Sondern weil er - wie Jesus - Wunder bewirkt habe. Doch damit  er heiliggesprochen werden kann, muß der Vatikan mindestens zwei seiner Heilungen offiziell als „Wunder" anerkennen. Das kann Jahrzehnte, sogar Jahrhunderte dauern!

Es gibt nur eine Ausnahme: die „Akklamation durch das Volk" - heilig ist, wer vom Volk als Heiliger verehrt wird. So wurde zum Beispiel Franz von Assisi bereits zwei Jahre nach seinem Tod 1226 heiliggesprochen. Und so fordern es Polens Katholiken nun auch für „ihren“ Papst. Die Chancen stehen nicht schlecht, denn schon zum 31. März kam das Prüfungsverfahren auf seiner diözesanen Ebene zum Abschluss. Darüber informierte der Postulator des Verfahrens, Slawomir Oder. Nun muß nur noch die päpstliche Kongregation in Rom ihren heiligen Segen geben.

Blinde kann wieder sehen

Im Oktober 1984 besuchte der Papst Puerto Rico. Kurz nach der Landung brachte ein Arzt auf dem Rollfeld die erblindete Lucia T. (damals 17) zum Pontifex. Der Papst legte seine Hände auf die Augen der Jugendlichen. Als die junge Frau zu Hause war, konnte sie wieder sehen! Dieses Wunder prüft der Vatikan sehr intensiv - denn über die Erblindung der Frau gibt es ärztliche Atteste.

Krebskranke geheilt

Bei einer Generalaudienz am 14. März 1979 küßte der Papst die krebskranke Hausfrau Kay Kelly (34) aus Liverpool. Die Ärzte hatten sie aufgegeben. Doch wenige Monate später teilten die Mediziner der Frau ratlos mit: „Der Krebs ist gänzlich verschwunden." Kay Kelly brauchte seitdem auch keinen Rollstuhl mehr.

Rollstuhlfahrer spielt Fußball

Bei einem schweren Erdbeben am 23. November 1980 wurde Emilio Cecconi (damals 16) aus Conza della Campagna (Italien) verschüttet. Es gab 2614 Tote, doch der Junge überlebte, war jedoch seitdem gelähmt, saß im Rollstuhl. Papst Johannes Paul II. besuchte das Katastrophengebiet, umarmte Emilio. Vier Jahre später erkannte der Pontifex den Jungen bei einer Audienz wieder, legte ihm die Hände auf den Kopf und sagte: „Der liebe Gott wird dir helfen." Emilio erinnert sich: „Als ich wieder zu Hause war, hatte ich ein komisches Kribbelgefühl in den Beinen." Vier Wochen später konnte er laufen - und Fußball spielen

Totgesagtes Baby überlebt

Nach der Geburt ihres Babys Aiden teilten Ärzte den Eheleuten Bernhard und Mary Mulligan aus Dublin (Irland) mit: „Die Niere des Kindes arbeitet nicht. Ihr Baby wird sterben - wenn nicht noch ein Wunder geschieht." Am 29. September 1979 kam der Papst nach Dublin. Die verzweifelte Mutterhielt Johannes Paul II. ihr Kind hin, der Papst streichelte es. Wenig später erhielt der Pontifex einen Brief. Darin schrieb die Mutter glücklich: „Heiliger Vater, Gott hat meinem Kind Gesundheit geschenkt. Es ist ein Wunder."

Gelähmte kann gehen

Am 27. Februar 1981 besuchte der Papst Manila (Philippinen). Am Straßenrand wartete die gelähmte Nonne Madre Vangie (51) im Rollstuhl. Sie war 1966 bei einem Unfall verunglückt. Johannes Paul II. legte seine Hände auf ihren Kopf, flüsterte ein Gebet. Nur Minuten später erhob sich die Nonne aus dem Rollstuhl, schrie „Ich kann gehen" und folgte dem Papst durch die jubelnde Masse - zu Fuß!

Lebensmut zurückgeküsst

Im Januar 1980 lud der Vatikan die gelähmte Stefania Mosca (damals 10) in die päpstliche Sommerresidenz Castelgandolfo ein. Der Pontifex küßte die Stirn des Mädchens. Die Mutter erklärte ihm: „Sie hat allen Lebensmut verloren, ißt und spricht nicht mehr." Doch nach dem Papst-Kuß kämpfte das Mädchen plötzlich tapfer für seine Genesung und besuchte Johannes Paul II. ein zweites Mal - fröhlich und ohne Rollstuhl!

Bettlägerige steht auf

Vor 20 Jahren stürzte Ordensfrau Ofelia Trespalacios (heute 91) aus Kolumbien einen Abhang hinunter. Seitdem war sie bettlägerig. Im Juli 1986 besuchte der Papst ihr Kloster, segnete die Nonne. Wenig später stand die Frau auf, sagte: „Johannes Paul II. hat mich geheilt."

Leukämie-Jungen geheilt

1990 besuchte der Papst auf einer Auslandsreise Mexiko. In der Diözese Zacatecas traf er den leukämiekranken Jungen Heron Badillo Mireles (damals 4) und segnete ihn. Die Krankheit verschwand! Kardinal Javier Lozano Barragan bestätigte damals: „Ich stand daneben, als der Papst den Jungen küßte, segnete - und heilte." Mexikanische Ärzte: „Es ist medizinisch nicht erklärbar." Auch diese wundersame Heilung wird derzeit vom Vatikan überprüft.

Nachtrag:

Das polnische Tribunal zur Seligsprechung hat inzwischen mehrere  Wundertaten abgesegnet. Nun scheint sogar eine  Heiligsprechung möglich. So zu sagen ratz-fatz – sofern Ratzinger als Benedikt XVI an die Wunder glaubt. Denn eine Heiligsprechung von Papst Johannes Paul II. ist nach Auffassung des römischen Prälats Mauro Parmiggiani bereits bei einer Seligsprechung theoretisch denkbar. Als Gesetzgeber der Kirche habe der Papst natürlich das Recht, den Prozeß zu verkürzen, sagte Parmiggiani im südpolnischen Krakow.
In der Kathedrale der einstigen Bischofsstadt von Karol Wojtyla ging das polnische Teilverfahren des Seligsprechungsprozesses nach fünf Monaten zu Ende. „Dieser Prozess betrifft einen Menschen, der nach unserer Überzeugung bereits ein Heiliger ist“, fügte der Prälat hinzu.
 Die kirchlichen Richter bemühten sich, die Vorschriften des Kirchenrechtes einzuhalten und erst ein anerkanntes Wunder für eine Seligsprechung zu finden, ehe ein für eine Heiligsprechung erforderliches weiteres Wunder geprüft werde, sagte Parmiggiani. „Aber dem Papst steht es frei, Entscheidungen zu treffen, die das kanonische Recht überschreiten“, meinte er angesichts der „ungewöhnlichen Umstände“.

Selbst Jaruzelski sagte aus
Den Seligsprechungsprozeß begleite ein bisher nicht gekanntes Interesse der Gläubigen. Der Druck der Gläubigen habe aber keinen Einfluß auf die Arbeit des Tribunals gehabt, sagte Stanislaw Oder, der das Verfahren geleitet hatte. Das Gremium hatte seit November 2005 das Leben von Karol Wojtyla in seiner Heimat vor seiner Wahl zum Papst im Jahr 1978 beleuchtet und dazu mehr als 100 Zeugen gehört. Vor dem geheim arbeitenden kirchlichen Tribunal sagten auch die ehemaligen Präsidenten General Wojciech Jaruzelski und Aleksander Kwasniewski aus. Zwei pralle Bände mit Aussagen des Krakauer Verfahrens wird  Prälat Oder nun  in Rom präsentieren  und die befindliche Erwartung der gläubigen Polen vortragen: Nach Selig- oder Heiligsprechung wird die Überführung der Reliquien von Johannes Paul II in der Kathedrale auf dem Wawel-Hügel aufbewahrt werden, denn „Polen und Krakau sind Orte, an die die Reliquien gelangen sollten“, sagte er. Nach dem Tod von Johannes Paul II. hatte es zunächst Gerüchte gegeben, wenigstens das Herz des polnischen Papstes solle in Krakau seine letzte Ruhestätte finden. Doch jetzt verstärkt sich die Erwartung, den kompletten Papst auf dem Wawel-Hügel umzubetten.

ds

 
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