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Telekom macht mobil in Polen Drucken E-Mail

Die Deutsche Telekom hat einen neuen Vorstandschef sowie einen neuen Finanzchef in der fünfköpfigen Führung des polnischen Mobilfunkers Polska Telefonia Cyfrowa (PTC) berufen und stellt damit vier statt bisher zwei Vertreter. „Wir übernehmen jetzt auch die operative Führung“, sagte ein Telekom-Sprecher.

Um die Mehrheit an der profitablen PTC tobt seit Jahren ein Rechtsstreit zwischen der Telekom und dem französischen Mischkonzern Vivendi. Bisher besaß die Telekom 49 Prozent der PTC-Anteile, während 51 Prozent bei der Holding Elektrim Telekomunikacja (ET) lagen, die von Vivendi und dem polnischen Versorger Elektrim gebildet wird. Vivendi hält daran 51 Prozent.

                    

Diese Holding ist Kern des juristischen Konflikts. Bereits 2004 hatte ein Wiener Schiedsgericht entschieden, dass Elektrim seine PTC-Anteile nicht in die Holding hätte einbringen dürfen. Elektrim habe damit gegen ein Vorverkaufsrecht der Telekom verstoßen. Vivendi gehörten deshalb keine PTC-Anteile, urteilte das Gericht. Zwei Gerichte in Polen haben diesen Spruch mittlerweile bestätigt.

Im Februar 2005 hat Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke eine Kaufoption auf die übrigen PTC-Anteile ausgeübt und sieht sich seitdem als Eigentümer von 97 Prozent an PTC. Im Juni dieses Jahres hat das Schiedsgericht auch die Ausübung der Kaufoption für rechtens erklärt.Am Dienstag hat der PTC-Aufsichtsrat Klaus Hartmann zum neuen Vorstandschef bestellt. Hartmann leitet derzeit die ungarische Telekom-Tochter Magyar Telekom. Er tritt bei PTC Mitte September an. Der neue Finanzchef Josef Ranner wechselt sofort von T-Mobile Deutschland nach Warschau.

Vivendi gibt sich aber nicht geschlagen. Die Franzosen verweisen auf ein für sie günstiges Urteil des Warschauer Berufungsgerichts vom 16. August. Danach sei weiterhin unklar, ob Elektrim seine PTC-Anteile an die Holding hat übertragen dürfen. „Weder Deutsche Telekom noch Elektrim können zu diesem Zeitpunkt Eigentumsansprüche anmelden“, folgert Vivendi. Der Konzern will alle Rechtsmittel einlegen, um seine Anteile zu sichern.

PTC ist mit 35 Prozent Marktanteil die Nummer zwei im polnischen Mobilfunk. Das Unternehmen erzielt einen Umsatz von 1,7 Mrd. Euro einen Nettogewinn von 290 Millionen Euro. Die Telekom ist stark in Osteuropa vertreten, wo hohe Wachstumsraten zu erzielen sind.

Für Frank Rothauge von Sal. Oppenheim ist die neue PTC-Spitze „ein Schritt in die richtige Richtung“. Der Analyst ist aber erst vom Ende des Streits überzeugt, wenn die Telekom PTC in der Bilanz darstellt. Noch will die Telekom dafür keinen Zeitplan nennen. Sie sieht sich zwar als Eigentümerin, nicht aber als Besitzerin der Mehrheit. Der Grund: Sie hat für die strittigen 48 Prozent noch keinen Kaufpreis gezahlt. Den müsse das Schiedsgericht noch festlegen – vermutlich Ende des Jahres, sagte ein Sprecher. Im Juni hatte der Aufsichtsratschef von Elektrim den Preis auf 2,2 bis 2,6 Milliarden Euro beziffert.

wiwo.de/ds/07.09.2006


 
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