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Polen benötigt Technologien für Abfalltrennung Drucken E-Mail

Der Abfallsektor Polens könnte sich in den nächsten Jahren als wahres Schlaraffenland für deutsche Anbieter entsprechender Technologien, Anlagen und Geräte entpuppen. Potenzial genug gibt es.

Von Heiko Steinacher, bfai

Allein 2006 fallen rund 16,1 Mill. t Kommunalabfälle an. Mülltrennung ist inzwischen gesetzliche Pflicht. Damit könnte das bisherige investorenfeindliche System nun endlich der Vergangenheit angehören. Investorenfeindlich, deshalb, weil es nicht etwa die Rückgewinnung von Abfällen förderte, sondern nur die billigsten Entsorger bevorzugte.
Viele Investoren, die in den Startlöchern stehen, halten sich jedoch zurück. Obwohl es mit der Novellierung des Abfallgesetzes (Dziennik Ustaw 2005, Nr. 175, Pos. 1458) nun eindeutige Vorschriften gibt, die zur Mülltrennung zwingen. Das betrifft neben Akkumulatoren und Batterien sowie elektrischen und elektronischen Ausrüstungen auch Altpapier, Kunststoffe und Glas.

Eigentümer von Immobilien sind jetzt landesweit gesetzlich verpflichtet, entsprechende Mülltonnen aufzustellen. Abfallsammelbetriebe dürfen künftig nur noch deutlich geringere Mengen als bisher auf Müllhalden entsorgen.
Bisher war die Müllentsorgung im Detail nur in einzelnen Städten auf dem Wege einer Verordnung geregelt. Verpflichtungen für Grundstückseigentümer zur Mülltrennung durch Verwendung unterschiedlicher Behältnisse gab es lediglich in Gdansk und Szczecin. In Warschau wurden dazu nur Empfehlungen ausgesprochen.
Nunmehr obliegt den Gemeinden die Regulierung der Abfallwirtschaft sowie die Kontrolle der darin tätigen Firmen. Um als Entsorgungsunternehmen agieren zu können, ist zuvor von der zuständigen Gemeinde eine Genehmigung einzuholen, in der unter anderem zulässige Abfallentsorgungsarten festgehalten werden. Von den neuen Regelungen verspricht sich Polen eine bessere Umweltsituation - vor allem in seinen westlichen Regionen sowie in Ballungszentren wie Schlesien und Warschau.

Abzuwarten bleibt jedoch, inwieweit diese Änderungen die Gemeinden tatsächlich dazu veranlassen werden, die bestehenden Instrumente zur Erteilung von Genehmigungen und zur Kontrolle ihrer Ausführung in der Praxis auch stärker auszunutzen als bisher. Immer wieder sind Fälle aufgetreten, in denen Müll illegal auf Halden entsorgt wurde, ohne dass die Schuldigen jemals gefasst und strafrechtlich verfolgt worden wären.
Brancheninsider sagen allerdings, das Umweltbewusstsein im heutigen Polen sei wesentlich stärker ausgeprägt als noch vor zehn Jahren. Die Menschen würden immer mehr die langfristigen Vorteile der Mülltrennung erkennen. Müllcontainer für Papier und Pappe, Weiß- und Buntglas sowie Kunststoffe, die es zwar auch schon früher gab, aber häufig nicht genutzt wurden, seien heute regelrechte Pilgerstätten. Umweltbewusste Bürger suchen sie regelmäßig auf.

Wo Abfall entsorgt wird, haben in der Praxis bislang allein die Abfallunternehmen entschieden. Daher gab es auch keine Garantie, dass die Abfälle in einer bestimmten Anlage landeten, und diesen wiederum wurden im Umkehrschluss keine ständigen, verlässlichen Abfalllieferungen gewährleistet. Jetzt aber gilt ein so genanntes Nähe-Prinzip, nach dem Abfälle möglichst an dem Ort zu entsorgen sind, wo sie gesammelt werden. Unter solchen Bedingungen dürften sich leichter Investoren finden als bisher. Zumal zur Entwicklung der Abfallwirtschaft prall gefüllte Fördertöpfe aus Brüssel bereit stehen. Wegen der neuen Regelungen könnte künftig mehr in moderne Anlagen für die Rückgewinnung und Entsorgung von Abfällen investiert werden. Schließlich verursachen diese höhere Betriebskosten. Deshalb wurden in der Vergangenheit meist Abnehmer bevorzugt, die niedrige Preise für die Abnahme von Abfällen boten.

Wer letztlich den Auftrag für Bau, Instandhaltung und Betrieb von gemeindlichen Anlagen und Geräten zur Rückgewinnung oder Entsorgung von Siedlungsabfällen bekommt, hängt oft von den Selbstverwaltungsbehörden ab - insbesondere in ländlichen Gebieten und kleinen Städten, wo große private Unternehmen meist aus logistisch-finanziellen Gründen nicht tätig sind. In anderen Gebieten leisten sowohl polnische Privatunternehmen (darunter auch privatisierte Gemeindeunternehmen) oder Firmen mit Auslandskapital (Remondis-Gruppe, Sita, Alba, TEW, ONYX, Altvater) abfallwirtschaftliche Dienste. Sie konkurrieren meist mit Kommunalbetrieben, vor allem dort, wo diese nicht vollständig privatisiert wurden wie beispielsweise in Wroclaw, Poznan, Lublin, Pila und Szczecin.
Oft sind auf dem Gebiet einer Gemeinde gleich mehrere Abfallsammelbetriebe tätig. Schließlich haben in den meisten polnischen Gemeinden Immobilienbesitzer Individualverträge mit Unternehmen abgeschlossen, die über eine Genehmigung für Abfallsammlung auf dem Gemeindegebiet verfügten. Doch längst nicht alle Haushalte sind Verträge mit Abfallunternehmen eingegangen - die illegale Abfallentsorgung stellt bis dato ein gravierendes Problem dar.

Bisher werden nur 116.000 t Siedlungsmüll, also nur knapp ein Drittel der auf Deponien abgelagerten Abfälle, sortiert. Obwohl kommunale Abfälle einen Anteil von nur 8% des anfallenden Mülls einnehmen, bilden sie auf den Halden etwa ein Drittel aller Abfälle.

Heiko Steinacher/bfai/handelsblatt/ds/26.092006

 
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