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Zahnexpress nach Polen Drucken E-Mail

Der Zahnexpress fährt zwei- bis dreimal die Woche von Berlin Richtung Osten. Sechs Plätze hat der Kleinbus, morgens um sieben startet er, zehn Euro zahlen die Fahrgäste für die Hin- und Rückfahrt. Es ist keine Vergnügungsfahrt, die die Mitfahrer so früh am Morgen aus den Federn treibt. Ihnen geht es ums Geld. Im polnischen Stettin, dem Ziel ihrer Reise, bekommen sie ihre neuen Zahnkronen, Brücken und Prothesen für weniger als die Hälfte des deutschen Preises.

Das Interesse an einer Zahnbehandlung jenseits der Grenze ist groß. „Wir bekommen etwa 50 Anfragen pro Tag“, sagt Roland Rose, Betreiber des Internet-Portals www.zahnarzt-planet.de. Er vermittelt kostengünstige Zahnbehandlungen bei deutschsprechenden Vertrags-Ärzten in Polen.  Der Zahntourismus innerhalb der EU ist erst durch ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs im Jahr 2003 möglich geworden. Der hatte die gesetzlichen Krankenkassen verpflichtet, ihren Versicherten für die Behandlung im Ausland denselben Versicherungsschutz zu gewähren wie im Inland. Seitdem müssen sie auch Festzuschüsse für Kronen und Brücken grenzübergreifend erstatten.

Die AOK Brandenburg, die viele Versicherte im grenznahen Bereich zu Polen hat, arbeitet seit August 2005 mit dem polnischen Dienstleister „Medpolska“ zusammen, der wiederum zehn polnische Zahnärzte entlang der Grenze unter Vertrag hat. Seit dem Start, sagt AOK-Sprecher Jörg Trinogga, hätten 350 Versicherte von dem Angebot Gebrauch gemacht. „Die Behandlung bei einer Regelversorgung ist in Polen auf jeden Fall günstiger“, sagt er. Grund sind die niedrigeren Lohn-, Labor- und Mietkosten.

Für eine Teilkrone mit Gesamtkosten von rund 6608 Euro hätte ein Versicherter in Deutschland einen Eigenanteil von rund 2970 Euro zahlen müssen. Für eine identische Regelversorgung fielen in Polen Gesamtkosten von 4211 Euro an, der Patient musste dafür nur 515 Euro zuzahlen – eine Ersparnis von 2455 Euro.

Doch so groß die Ersparnis im Einzelfall auch sein mag, die Reise sollte vorher genau geplant werden. Wichtig vor allem: Versicherte sollten ihre Kasse rechtzeitig vor der Abreise fragen, wie viel erstattet wird, denn der Zahnersatz muss in jedem Fall genehmigt werden. Sie sollten auch bedenken, dass  die Behandlungskosten im Ausland zunächst auszulegen sind.

Und auch nach der Behandlung lauern Gefahren. „Schwierig werde es vor allem dann, wenn etwas schief geht und Nachbesserungen fällig werden“, sagt Mareke Kortmann von der Europäischen Verbraucherzentrale in Kiel. Zwar räumt selbst die Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung ein, dass man „nicht generell sagen kann, dass die Behandlung im Ausland schlechter wäre“, wie Sprecher Rainer Kern sagt. Aber die rechtliche Absicherung sei in der Regel schlechter als bei einer Behandlung im Inland, wenn nach einem Jahr Probleme mit der neuen Brücke auftauchten.

Die AOK Brandenburg hat das vertraglich gelöst: die polnischen Ärzte geben die in Deutschland übliche Garantie von zwei Jahren. Sollte es einen Rechtsstreit geben, würde er vor deutschen Gerichten ausgetragen, sagt AOK-Sprecher Trinogga. Schwieriger wird es, wenn Patienten auf eigene Faust einen ausländischen Zahnarzt suchen. Bei Problemen haftet der Zahnarzt, der die Behandlung ausgeführt hat. Nur wenige haben inzwischen Vertragspartner in Deutschland, der die Nachbehandlung übernimmt.

Weitere Tipps zur Zahnbehandlung im Ausland: www.die-endverbraucher.de

Der Tagesspiegel, Maren Peters/ds/11.06.2007

 
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