Home
Datenbank informiert über 8.502 SS-Männer des KZ Auschwitz Drucken E-Mail
 Zu Recht wehrt sich Polen gegen fälschliche Formulierungen wie „polnische Todeslager/polnische Konzentrationslager“ in ausländischen Medien. Jüngstes Beispiel ist ein Gerichtsurteil aus Krakau gegen das ZDF, demzufolge die öffentlich-rechtliche Sendeanstalt aufgefordert ist, auf ihrer Startseite 30 Tage lang  eine  Gegendarstellung zu platzieren; es ist schließlich nicht das erste Mal, dass die Sendeanstalt abgemahnt worden ist. Zwar hat das ZDF diesmal eine Gegendarstellung veröffentlicht, allerdings quasi versteckt auf einer Unterseite.

Gleich zweimal wurden im Januar die italienische Zeitung „Corriere della Sera“ und die Nachrichtenagentur ANSA abgemahnt, auch in britischen Boulevardblättern kommt die historisch falsche und Polen beleidigende  Bezeichnung häufig vor.

Dagegen geht nun Polens nationalkonservative PiS-Regierung vor im Rahmen der von ihr konzipierten Geschichtsschreibung von einem Polen, das mit  Heldentum und Opferbereitschaft seine Ideale verteidigte  wie keine andere Nation. Ende Januar wurde die vom Außenministerium initierte Website „Wie es wirklich war“ ins Internet gestellt, in dem ehemalige polnische KZ-Häftlinge Zeugnis darüber abgeben, welchen Gräueltaten sie ausgesetzt waren – in deutschen Konzentrationlagern auf besetztem polnischen Gebiet.


Eine NGO hat im Internet Spenden gesammelt für einen Transporter, der mit einem sechs Meter langen Plakataufbau eine 1.600 Kilometer-Route antreten wird mit Start in Wroclaw/Breslau, dann durch Deutschland und Belgien nach England (bis Cambridge). In Mainz wird vor dem ZDF-Hauptsitz demonstrativ geparkt. Die Botschaft auf dem Plakataufbau: “Death Camps Were Nazi German” und „ZDF apologise“ (Foto).

Eine Website vom  polnischen Institut für Nationales Gedenken (Instytut Pamięci Narodowej liefert jetzt biografische Daten über die im größten Nazi-Vernichtunsglager Auschwitz-Birkenau tätigenden SS-Männer. Die Datensammlung ist das Ergebnis einer fast 35-jährigen Recherche des Historikers Aleksander Lasik, heute als Professor tätig im Institut für Nationales Gedenken.

8502 Personendaten sind jetzt freigeschaltet, die Bekanntgabe  von rund 25.000 Personendaten soll nach und nach folgen. Statitisch  war ein SS-Mann für 125 Tötungen verantwortlich. Doch nur rund 1.500 SS-Männer mußten sich nach 1945 für ihre mörderischen Taten vor polnischen und deutschen Gerichten verantworten. Das lag auch an der mangelnden Bereitschaft zur Täteraufklärung der 1949 gegründeten Bundesrierung unter Konrad Adenauer.

Er selbst konnte sich als Bügermeister von Köln der Nazi-Verfolgung entziehen durch Zuflucht in ein Kloster. Doch später gewählt als erster Kanzler der Bundesrepublik, bestellte er eine Heerschar von Nazis in sein Kabinett, allesamt Juristen. Sie hatten dem Nazi-Regime treu gedient und kannten sich aus im Aufbau staatlicher Adnministration.

In den 1960ern erlaubten sie die Einrichtung der Behörde für die „Aufklärung nationalsozialister Verbrechen“. Die Absicht ernsthafter Aufklärung wird der Behörde jedoch nicht gerade nachgesagt.

Zur jetzt veröffentlichten polnischen Website, sagt der stellvertrende Behördenleiter Thomas Will: „Wir haben das im Auge...gehen aber nicht davon aus, dass die Datenbank für deutsche Ermittler viele Erkenntnisse bringt...uns düften die die Namen bekannt sein“.

Und weiter: "Nach deutschem Recht ist eine Strafverfolung altersbedingt eingeschänkt. Fast alle SS-Täter dürften vor 1917 geboren sein, langjährige Gerichtsverhandlungen führen demnach  erfahrungsgemäß zu nichts, weil den Verurteilten meist eine Inhaftierung aus Altergründen nicht zumutbar sei"

ds/03.02.2017
 
< Zurück   Weiter >
(C) 2020 www.polentoday.de
Joomla! is Free Software released under the GNU/GPL License.